Ob in Shampoo, Spülung oder Haaröl: Viele Menschen möchten wissen, ob ein Produkt Silikone enthält, sei es aus Gewohnheit, aus Neugier oder weil sie ihre Routine bewusst zusammenstellen. Die Antwort steht in der INCI – allerdings nicht unter dem Wort „Silikon“, sondern unter chemischen Namen.
Dieser Beitrag erklärt, was Silikone chemisch sind, an welchen Endungen du sie erkennst, welche ähnlich klingenden Namen keine Silikone sind und was die INCI darüber hinaus nicht verrät. Eine Bewertung, ob ein Produkt mit oder ohne Silikone besser ist, gehört nicht dazu.
1. Was Silikone chemisch sind
Silikone sind synthetische Verbindungen mit einem Rückgrat aus abwechselnden Silicium- und Sauerstoffatomen. An den Siliciumatomen hängen organische Gruppen, meist Methylgruppen. Je nach Kettenlänge, Verzweigung und angehängten Gruppen entstehen dünnflüssige, ölige, gummiartige oder wasserlösliche Stoffe.
Diese Vielfalt erklärt, warum es in der INCI nicht einen Silikon-Namen gibt, sondern viele. Gemeinsam ist den meisten ein Namensbestandteil, der auf das Silicium-Sauerstoff-Gerüst verweist.
2. Die Endungen, auf die du achten kannst
| Endung | Beispiele | Hinweis |
|---|---|---|
| -cone | Dimethicone, Amodimethicone, Phenyl Trimethicone | die häufigste Endung |
| -conol | Dimethiconol | Silikon mit OH-Gruppen an den Kettenenden |
| -siloxane | Cyclopentasiloxane, Cyclohexasiloxane | oft ringförmige Silikone |
Die Endung kann auch mitten in einem längeren Namen stehen, etwa bei Verbindungen mit Vorsilben wie „PEG-“ oder „Bis-“. Solche Namen bezeichnen abgewandelte Silikone, die zum Beispiel wasserlöslich sind. Entscheidend ist deshalb, ob irgendwo im Namen -cone, -conol oder -siloxane steckt.
3. Nicht verwechseln: Silica, Silicate, Silk
Einige Namen klingen ähnlich, sind aber keine Silikone:
- Silica ist Siliciumdioxid, also Kieselsäure, ein mineralischer Stoff ohne organische Seitengruppen.
- Einträge auf -silicate wie Sodium Silicate oder Magnesium Aluminum Silicate sind Salze und Minerale.
- Silk oder Hydrolyzed Silk steht für Seide beziehungsweise Seidenprotein. Was Proteine in der Haarpflege-INCI bedeuten, steht im Beitrag über Proteine in der Haarpflege.
Merken
Silikone erkennst du an -cone, -conol und -siloxane, auch mitten im Namen. Silica, -silicate und Silk klingen ähnlich, sind aber etwas anderes.
4. Wozu Silikone in Haarpflege stehen
Die CosIng-Datenbank der EU-Kommission führt für Silikone je nach Stoff Funktionen wie Emollient, Antifoaming (Entschäumer) oder Hair Conditioning. In Haarpflege werden sie also eingesetzt, um die Handhabung der Haare beim Kämmen und Frisieren zu beeinflussen oder die Eigenschaften der Rezeptur zu steuern.
Hersteller, die ohne Silikone formulieren, greifen für ähnliche Aufgaben auf andere Stoffgruppen zurück, etwa Fettalkohole oder kationische Konditionierer. Wie diese in der INCI aussehen, erklärt der Beitrag über Spülungen in der INCI. Ob eine Rezeptur mit oder ohne Silikone formuliert ist, sagt dir die INCI. Wie sich das Produkt in deinem Haar anfühlt, zeigt nur die Anwendung.
5. Was die INCI über Silikone nicht verrät
Die INCI zeigt dir, ob ein Silikon enthalten ist und welches. Sie zeigt nicht, wie viel davon drin ist. Stoffe über einem Anteil von einem Prozent stehen zwar nach Menge sortiert, darunter dürfen sie in beliebiger Reihenfolge folgen. Mehr dazu erklärt der Beitrag zur 1-%-Regel.
Auch der Produkttyp spielt eine Rolle. Ein Shampoo wird ausgespült, eine Spülung ebenfalls, ein Haaröl oder ein Leave-in bleibt im Haar. Derselbe Stoff steht also in sehr unterschiedlichen Zusammenhängen, je nachdem, ob das Produkt abgespült wird oder nicht. Was dieser Unterschied bedeutet, erklärt der Beitrag zu Leave-on und Rinse-off.
Und schließlich: Aussagen wie „ohne Silikone“ auf der Vorderseite sind Herstellerangaben. Die INCI auf der Rückseite ist die Stelle, an der du sie selbst nachlesen kannst – mit den Endungen aus der Tabelle oben brauchst du dafür nur einen kurzen Blick.
6. Ein Shampoo ohne diese Endungen
Als Beispiel dient hier das MÁDARA Gloss and Vibrancy Shampoo („Gloss and Vibrancy“ ist der Produktname). Laut Herstellerangabe (Stand der Herstellerseite 30.09.2026) enthält seine INCI keinen Stoff mit den Endungen -cone, -conol oder -siloxane. Nach Aqua folgen die Waschsubstanzen Sodium Coco-sulfate und Coco Glucoside, weiter hinten stehen Behenyl Alcohol, ein Fettalkohol, und Brassicyl Isoleucinate Esylate.
Letzterer ist ein Ester der Aminosäure Isoleucin mit Fettalkoholen aus Brassica-Arten (Brassica Alcohol, u. a. Raps), als Salz der Ethansulfonsäure. Die Datenbank COSMILE Europe führt ihn unter anderem als antistatisch und haarkonditionierend. Wie Tenside in der INCI zu lesen sind, steht im Beitrag über Tenside in der INCI. Angewendet wird das Shampoo laut Hersteller auf dem nassen Haar: sanft in die Kopfhaut einmassieren und gründlich ausspülen.
Die Kurzfassung: Silikone erkennst du in der INCI an den Endungen -cone, -conol und -siloxane – ob du ein Produkt mit oder ohne sie wählst, ist eine Frage deiner Routine, die INCI liefert dir dafür nur die Fakten.
Quellen
- Europäische Kommission, CosIng-Datenbank, Einträge Dimethicone, Dimethiconol, Cyclopentasiloxane, Silica, abgerufen am 30.09.2026.
- COSMILE Europe: Inhaltsstoffdatenbank, Eintrag Brassicyl Isoleucinate Esylate.
- Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel, Artikel 19 (Angabe der Bestandteile).
- Herstellerangaben MÁDARA zu Gloss and Vibrancy Shampoo (INCI, Füllmenge, Anwendung), madaracosmetics.com, abgerufen am 30.09.2026.
Redaktionelle Prüfung: 01.10.2026, AF – Produktangaben (INCI-Auszüge, Füllmenge, Anwendung) am 30.09.2026 gegen die Produktseite abgeglichen, Fach- und Rechtsangaben gegen die genannten Quellen geprüft, keine Wirkaussagen. Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische oder rechtliche Beratung.