In der INCI-Liste von Haarprodukten tauchen oft Proteine auf, fast immer mit dem Zusatz „Hydrolyzed“. Am häufigsten sind Keratin und Weizenprotein.
Hier liest du, was Proteine chemisch sind, was die Hydrolyse mit ihnen macht, warum die INCI-Liste nichts über die Herkunft verrät und worauf du achten kannst, wenn dir diese Frage wichtig ist.
1. Was Proteine sind
Proteine sind lange Ketten aus Aminosäuren. Ihre Reihenfolge und Faltung bestimmt, welche Form und Aufgabe ein Protein im Körper hat. Keratin ist ein Strukturprotein: Es ist der Hauptbestandteil von Haaren und Nägeln und kommt auch in der äußersten Hautschicht vor. Keratin enthält viel Cystein, eine schwefelhaltige Aminosäure. Zwischen Cystein-Bausteinen bilden sich Disulfidbrücken, die zur Festigkeit der Haarfaser beitragen.
Weizenprotein stammt, wie der Name sagt, aus Weizen. Es ist ein Gemisch verschiedener Proteine aus dem Getreidekorn. In Kosmetik werden beide fast nie in ihrer ursprünglichen Form eingesetzt, sondern hydrolysiert.
2. Was „Hydrolyzed“ bedeutet
Hydrolyse heißt wörtlich „Spaltung durch Wasser“. Dabei werden die langen Proteinketten in kleinere Bruchstücke zerlegt. Das geschieht technisch mit Säuren, Laugen oder Enzymen – ein ähnliches Prinzip wie bei der Verdauung, bei der der Körper Proteine ebenfalls in kleinere Bausteine zerlegt. Das Ergebnis ist ein Gemisch aus Peptiden und Aminosäuren unterschiedlicher Größe, das sich in Wasser lösen und in Rezepturen einarbeiten lässt.
Wie klein die Bruchstücke sind, verrät der INCI-Name nicht. „Hydrolyzed Keratin“ kann je nach Rohstoff sehr unterschiedliche Kettenlängen umfassen. Begriffe wie „Micro-Keratin“ in Produktnamen sind Bezeichnungen des Herstellers, keine INCI-Kategorien.
3. Herkunft: was die INCI nicht zeigt
Die INCI-Liste nennt den Stoff, nicht seine Quelle. Beim Weizenprotein ist die pflanzliche Herkunft im Namen enthalten. Bei Hydrolyzed Keratin ist das anders: Keratin für Kosmetik kann tierischen Ursprungs sein, etwa aus Wolle oder Federn. Es gibt aber auch andere Herstellungswege. Aus dem INCI-Namen allein lässt sich das nicht ablesen. Dasselbe gilt für andere Proteine, deren Name keine Pflanze nennt, etwa Hydrolyzed Collagen.
Wenn dir die Herkunft wichtig ist, hast du zwei Wege:
- Nachfragen: Der Hersteller kann Auskunft geben, woher der Rohstoff stammt.
- Siegel beachten: Vegan-Siegel treffen eine Aussage über tierische Bestandteile. Ein „vegan“ auf der Verpackung ohne Siegel ist dagegen eine Aussage des Herstellers, kein Prüfergebnis einer unabhängigen Stelle. Wie Siegel grundsätzlich funktionieren, erklärt der Beitrag Naturkosmetik-Siegel.
4. Ein Beispiel: zwei Proteine in einem Spray
Als Beispiel dient hier das MÁDARA Micro-Keratin Haarspray für gesundes Haar mit 90 ml. „Für gesundes Haar“ ist Teil des Produktnamens, keine Aussage dieses Beitrags. Laut Herstellerseite (Stand 30.09.2026) beginnt die INCI-Liste mit Aqua und Butylene Glycol, einem Feuchthalte- und Lösungsmittel. Es folgen Aroma, die Sammelbezeichnung für Duft- und Aromastoffe, und Sodium Levulinate.
An Position 5 steht Hydrolyzed Wheat Protein, an Position 8 Hydrolyzed Keratin. Dazwischen finden sich Sodium Benzoate, ein Konservierungsmittel aus Anhang V der EU-Kosmetikverordnung, und Lactic Acid, Milchsäure. Weiter hinten steht Furcellaria Lumbricalis Extract, ein Extrakt aus einer Rotalge. Woher das Keratin stammt, nennt die INCI-Liste nicht.
Laut Hersteller wird das Spray auf gewaschene, handtuchtrockene Längen und Spitzen gesprüht, nicht ausgespült und das Haar danach wie gewohnt gestylt. Es ist also ein Leave-on-Produkt. Wie du aus den Positionen auf die Mengen schließt, zeigt der Beitrag zur 1-%-Regel.
5. Proteine in der INCI erkennen
Keratin und Weizen sind nicht die einzigen Proteine in Haarprodukten. Diese Muster helfen beim Lesen:
- „Hydrolyzed“ plus Quelle: etwa Hydrolyzed Oat Protein, Hydrolyzed Rice Protein, Hydrolyzed Silk oder Hydrolyzed Collagen. Hier steht die Quelle meist im Namen.
- Veränderte Proteine: Namen wie Hydroxypropyltrimonium Hydrolyzed Wheat Protein bezeichnen Proteine, an die zusätzlich eine positiv geladene Gruppe gehängt wurde.
- Einzelne Aminosäuren: etwa Arginine oder Serine. Sie sind die kleinsten Bausteine, keine Proteine im engeren Sinn.
Auch die Produktart spielt eine Rolle: In einem Spray, das im Haar bleibt, verbleiben die Proteine dort; in einem Shampoo oder einer Spülung werden sie mit dem Wasser größtenteils wieder ausgespült.
Weizenprotein erkennst du in der INCI an „Wheat“ oder „Triticum“ im Namen, etwa Hydrolyzed Wheat Protein oder Wheat Amino Acids.
Wichtig einzuordnen
Bei anhaltenden Hautbeschwerden gehört die Frage in ärztliche Hände. Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische Beratung.
Die Kurzfassung: „Hydrolyzed“ heißt, dass ein Protein in kleinere Bruchstücke gespalten wurde – woher es stammt, verrät die INCI-Liste beim Keratin nicht, dafür brauchst du den Hersteller oder ein Siegel.
Quellen
- Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel, Art. 19 (Kennzeichnung).
- Verordnung (EG) Nr. 1223/2009, Anhang V (zugelassene Konservierungsstoffe).
- Europäische Kommission, CosIng-Datenbank der kosmetischen Inhaltsstoffe, Funktionsangaben zu Hydrolyzed Keratin, Hydrolyzed Wheat Protein, Butylene Glycol und Sodium Benzoate.
- Herstellerangaben MÁDARA zu Micro-Keratin Haarspray für gesundes Haar (INCI, Füllmenge, Anwendung), madaracosmetics.com, abgerufen am 30.09.2026.
Redaktionelle Prüfung: 01.10.2026, AF – Produktangaben (INCI-Auszüge, Füllmenge, Anwendung) am 30.09.2026 gegen die Produktseite abgeglichen, Fach- und Rechtsangaben gegen die genannten Quellen geprüft, keine Wirkaussagen. Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische oder rechtliche Beratung.