Wer die INCI-Liste einer Haarspülung liest, stößt fast immer auf lange Namen mit den Endungen „-trimonium“ oder „-dimonium“. Sie klingen kompliziert, folgen aber einem einfachen Muster.

Hier liest du, was diese Stoffe chemisch ausmacht, woran du sie erkennst, warum in Spülungen so oft ein „Alcohol“ an zweiter Stelle steht und wie das an einem Beispiel aussieht.

1. Shampoo und Spülung: zwei verschiedene Aufgaben

Shampoo ist ein Reinigungsmittel. Seine Hauptbestandteile sind Tenside, die meisten davon anionisch, also mit negativ geladenem Molekülteil. Eine Spülung hat eine andere Aufgabe: Sie wird nach der Wäsche in die Längen gegeben und nach kurzer Zeit wieder ausgespült.

Dafür setzen Hersteller eine andere Stoffklasse ein: kationische Stoffe, deren Molekül einen positiv geladenen Teil trägt. Beide Produktarten werden abgespült, gehören also zu den Rinse-off-Produkten.

2. Plus und Minus: die Chemie dahinter

In CosIng ist Behentrimonium Chloride unter anderem mit den Funktionen „antistatisch“ und „haarpflegend“ geführt, daneben auch als Konservierungsmittel (preservative). Der chemische Hintergrund: Die Oberfläche des Haares trägt negative Ladungen. Kationische Moleküle haben einen positiv geladenen Kopf und einen langen, fettähnlichen Schwanz. Entgegengesetzte Ladungen ziehen sich an. Das erklärt, warum diese Stoffklasse in Spülungen, Kuren und Masken so verbreitet ist.

Der positiv geladene Teil ist in den meisten Fällen ein Stickstoffatom mit vier Bindungspartnern. Chemisch spricht man von quartären Ammoniumverbindungen, kurz „Quats“.

Ob ein Stoff kationisch, anionisch, amphoter oder nichtionisch ist, hängt von seiner Molekülstruktur ab. Amphotere Tenside wie Cocamidopropyl Betaine tragen im selben Molekül sowohl eine positive als auch eine negative Ladung. Sie gehören deshalb nicht zu den kationischen Pflegestoffen, obwohl sie ebenfalls häufig in Haarprodukten stehen.

3. Die Endungen erkennen

Viele kationische Pflegestoffe verraten sich schon durch ihren INCI-Namen:

NamensbestandteilBeispielWas dahintersteckt
-trimoniumBehentrimonium Chloride, Cetrimonium ChlorideStickstoff mit drei Methylgruppen und einer langen Fettkette
-dimoniumDistearoylethyl Dimonium ChlorideStickstoff mit zwei Methylgruppen und zwei weiteren Resten
PolyquaterniumPolyquaternium-10kationische Polymere, also große Kettenmoleküle

Der erste Namensteil zeigt oft die Fettkette an: „Behen-“ steht für eine Kette aus der Behensäure, „Cet-“ für die Cetylkette. Der zweite Teil, meist „Chloride“ oder „Methosulfate“, nennt das Gegenion, das die Ladung ausgleicht. Distearoylethyl Dimonium Chloride gehört zu den sogenannten Esterquats: Die Fettketten sind über Esterbindungen angehängt. Auch Namen wie Guar Hydroxypropyltrimonium Chloride folgen dem Muster – hier ist ein Pflanzengummi aus Guarbohnen kationisch verändert.

4. Cetearyl Alcohol ist kein Trinkalkohol

Direkt nach Wasser steht in vielen Spülungen Cetearyl Alcohol. Das ist ein Fettalkohol, eine Mischung aus Cetyl- und Stearylalkohol. Cetylalkohol hat eine Kette aus 16, Stearylalkohol eine aus 18 Kohlenstoffatomen. Mit Trinkalkohol, dessen Molekül nur zwei Kohlenstoffatome hat, verbindet ihn außer der Stoffgruppe nichts: Er ist bei Raumtemperatur fest und wachsartig. In Spülungen bildet er zusammen mit den kationischen Stoffen die cremige Grundstruktur. Mehr zum Unterschied zwischen den Alkoholen erklärt der Beitrag Alcohol in der INCI-Liste.

5. Ein Beispiel mit zwei Quats

Als Beispiel dient hier die MÁDARA Nourish and Repair Spülung mit 200 ml; „Nourish and Repair“ ist Teil des Produktnamens. Laut Herstellerseite (Stand 30.09.2026) beginnt die INCI-Liste mit Aqua und Cetearyl Alcohol. Es folgen D-Panthenol, das Provitamin B5, dann Betaine und Glycerin. Betaine ist dabei nicht mit dem Tensid Cocamidopropyl Betaine zu verwechseln.

An Position 6 steht Behentrimonium Chloride, an Position 7 Distearoylethyl Dimonium Chloride – zwei kationische Stoffe, die du nun an ihren Endungen erkennst. Weiter hinten finden sich unter anderem Avocadoöl, Hydrolyzed Wheat Protein sowie Mica und CI 77891. Das sind ein Mineral aus der Gruppe der Glimmer und Titandioxid, beides farbgebende Bestandteile. Laut Hersteller wird die Spülung in die Spitzen der nassen, frisch gewaschenen Haare gegeben, ein bis drei Minuten belassen und dann ausgespült.

Wie du aus der Position auf die Menge schließt, zeigt der Beitrag zur 1-%-Regel.

Merken

Such in der INCI-Liste nach den Endungen „-monium“ und „-quaternium“. Solche Stoffe findest du vor allem in Spülungen, Kuren, Masken und Leave-in-Produkten. In Spülungen stehen sie meist unter den ersten zehn Positionen, oft kurz nach dem Fettalkohol.

Zur Anwendung gilt, was der Hersteller angibt. Allgemein hat sich bewährt, nur so viel zu nehmen, dass die Längen gleichmäßig bedeckt sind, das Produkt während der Einwirkzeit mit den Fingern oder einem grobzinkigen Kamm zu verteilen und danach gründlich auszuspülen.

Die Kurzfassung: Endungen wie „-trimonium“, „-dimonium“ oder „Polyquaternium“ kennzeichnen kationische Stoffe mit positiver Ladung – und der „Alcohol“ daneben ist meist ein fester Fettalkohol.

Quellen

  1. Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel, Art. 19 (Kennzeichnung).
  2. Europäische Kommission, CosIng-Datenbank der kosmetischen Inhaltsstoffe, Funktionsangaben zu Behentrimonium Chloride, Distearoylethyl Dimonium Chloride, Cetearyl Alcohol und Panthenol.
  3. Herstellerangaben MÁDARA zu Nourish and Repair Spülung (INCI, Füllmenge, Anwendung), madaracosmetics.com, abgerufen am 30.09.2026.

Redaktionelle Prüfung: 01.10.2026, AF – Produktangaben (INCI-Auszüge, Füllmenge, Anwendung) am 30.09.2026 gegen die Produktseite abgeglichen, Fach- und Rechtsangaben gegen die genannten Quellen geprüft, keine Wirkaussagen. Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische oder rechtliche Beratung.