Tenside sind die Waschsubstanzen in Reinigungsprodukten. Sie sorgen dafür, dass sich Fett und Wasser mischen lassen und Schmutz mit dem Wasser abgespült werden kann. Auf der Verpackung heißen sie selten „Tensid“ – in der INCI-Liste stehen ihre chemischen Namen.
Diese Namen wirken zunächst sperrig. Mit ein paar Endungen im Kopf findest du sie trotzdem schnell.
1. Was ein Tensid ausmacht
Ein Tensidmolekül hat zwei Enden: einen wasserliebenden Kopf und einen fettliebenden Schwanz. Dadurch kann es sich an die Grenze zwischen Fett und Wasser setzen und beides verbinden. In Wasser lagern sich Tenside ab einer bestimmten Menge zu kleinen Kugeln zusammen, den Mizellen – mehr dazu im Beitrag Mizellenwasser.
Der fettliebende Teil stammt häufig aus Fettsäuren oder Fettalkoholen, etwa aus Kokos- oder Palmkernöl. Daher tauchen Silben wie Coco oder Lauryl in vielen Tensidnamen auf. Der wasserliebende Kopf bestimmt, zu welcher Gruppe ein Tensid gehört.
2. Die vier Tensidgruppen
Tenside werden nach der Ladung ihres Kopfes eingeteilt. Die Tabelle zeigt typische INCI-Bausteine und Beispiele.
| Gruppe | Ladung des Kopfes | Typische INCI-Bausteine |
|---|---|---|
| anionisch | negativ | -sulfate, -sulphate, -glutamate, -sarcosinate |
| amphoter | positive und negative Gruppe im selben Molekül; die Gesamtladung hängt vom pH-Wert ab | -betaine, -amphoacetate |
| nichtionisch | ungeladen | -glucoside, Sucrose-Ester, Polyglyceryl- |
| kationisch | positiv | -trimonium chloride, -dimonium chloride |
Anionische Tenside sind in Reinigungsprodukten weit verbreitet und bilden viel Schaum. Amphotere und nichtionische Tenside werden oft mit ihnen kombiniert oder allein eingesetzt. Kationische Tenside findest du vor allem in Haarspülungen; in Waschprodukten für die Haut spielen sie kaum eine Rolle.
Für das Lesen der INCI-Liste genügt es, die Endungen zu kennen – die Ladung musst du nicht selbst bestimmen.
3. So findest du Tenside in der Liste
- Nach Endungen suchen. Die Bausteine aus der Tabelle decken die meisten Tenside in Reinigungsprodukten ab.
- Auf die Position achten. In einem Waschgel oder Schaum steht das Haupttensid meist direkt hinter Wasser oder dem wässrigen Pflanzensaft. Warum die Reihenfolge etwas über die Menge sagt, erklärt der Beitrag zur 1-%-Regel.
- Mit Kombinationen rechnen. Viele Rezepturen enthalten zwei bis vier Tenside aus verschiedenen Gruppen.
- Nachschlagen. Die CosIng-Datenbank der EU-Kommission nennt zu jedem INCI-Namen die Funktion, bei Tensiden etwa „surfactant – cleansing“, also reinigendes Tensid. Viele Begriffe erklärt auch unser INCI-Glossar.
4. Ein Beispiel: amphoteres Tensid an Position 2
Als Beispiel dient hier der Reinigungsschaum von MÁDARA. Laut Herstellerseite (Stand 30.09.2026) steht in der INCI-Liste nach Aqua an Position 2 Sodium Cocoamphoacetate – ein amphoteres Tensid aus Kokosfettsäuren. Es ist damit das Tensid mit dem höchsten Anteil in dieser Rezeptur.
Weiter hinten folgt Sucrose Cocoate, ein nichtionischer Ester aus Zucker und Kokosfettsäuren. Dazwischen stehen unter anderem Rosenwasser, Alcohol an Position 4, Glycerin und Lactic Acid. Was Alcohol in einer INCI-Liste bedeutet und wie er sich von Fettalkoholen unterscheidet, erklärt der Beitrag Alcohol in der INCI-Liste.
Die Anwendung beschreibt der Hersteller sinngemäß so: morgens und abends sanft in die feuchte Haut einmassieren und mit warmem Wasser abspülen. Das ist die typische Anwendung eines Rinse-off-Produkts, also eines Mittels, das abgespült wird.
5. Was die INCI-Liste nicht verrät
Die Liste zeigt, welche Tenside enthalten sind und in welcher Reihenfolge. Sie zeigt nicht:
- wie hoch der Tensidanteil insgesamt ist,
- welchen pH-Wert das fertige Produkt hat,
- wie die Tenside in dieser Kombination zusammenspielen.
Auch Angaben auf der Vorderseite wie „sulfatfrei“ oder „mild“ sind Herstelleraussagen. Für solche Werbeaussagen gelten die gemeinsamen Kriterien der Verordnung (EU) Nr. 655/2013, unter anderem Belegbarkeit und Redlichkeit. Was tatsächlich enthalten ist, prüfst du trotzdem am schnellsten in der Liste selbst.
Eine Einteilung einzelner Tenside in „gut“ und „schlecht“ lässt sich aus der Liste deshalb nicht ableiten. Für die Sicherheit eines Produkts ist nach der Kosmetikverordnung die verantwortliche Person zuständig, die eine Sicherheitsbewertung der gesamten Rezeptur vorlegen muss – nicht die Bewertung einzelner Stoffe.
Für dich heißt das: Die INCI-Liste ist ein Werkzeug, um Produkte zu verstehen und zu vergleichen. Wie ein Produkt sich auf deiner Haut anfühlt, zeigt am Ende die Anwendung. Wer unsicher ist, beginnt mit einer Probe – wie das geht, steht unter Probe vor dem Kauf.
Merken
Endungen wie -sulfate, -betaine, -amphoacetate und -glucoside zeigen Tenside an. Die Position verrät, welches davon die Hauptrolle spielt.
Die Kurzfassung: Tenside erkennst du an wiederkehrenden Endungen, ihre Position zeigt das Haupttensid – über Gesamtmenge, pH-Wert und Zusammenspiel sagt die INCI-Liste dagegen nichts.
Quellen
- Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel, Art. 10 (Sicherheitsbewertung) und Art. 19 (Liste der Bestandteile).
- Verordnung (EU) Nr. 655/2013 zur Festlegung gemeinsamer Kriterien zur Begründung von Werbeaussagen im Zusammenhang mit kosmetischen Mitteln.
- Europäische Kommission, CosIng-Datenbank, Einträge zu Sodium Cocoamphoacetate und Sucrose Cocoate.
- Herstellerangaben MÁDARA zu Reinigungsschaum (INCI, Füllmenge, Anwendung), madaracosmetics.com, abgerufen am 30.09.2026.
Redaktionelle Prüfung: 01.10.2026, AF – Produktangaben (INCI-Auszüge, Füllmenge, Anwendung) am 30.09.2026 gegen die Produktseite abgeglichen, Fach- und Rechtsangaben gegen die genannten Quellen geprüft, keine Wirkaussagen. Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische oder rechtliche Beratung.