Pflanzliche Bestandteile stehen in der INCI nicht als „Jojobaöl“ oder „Sanddorn“, sondern mit lateinischem Namen und englischem Zusatz. Das wirkt zunächst sperrig, hat aber einen Vorteil: Der Name ist in allen Sprachen gleich.
Dieser Beitrag zeigt dir das Muster hinter den Namen, erklärt Sonderfälle wie den Schrägstrich und zeigt, warum manche Namen veraltet wirken.
1. Das Grundmuster: Gattung, Art, Pflanzenteil
Die Namen folgen der botanischen Benennung nach Carl von Linné. Das erste Wort ist die Gattung, das zweite die Art. Danach folgt auf Englisch der Pflanzenteil und zuletzt die Zubereitung:
Simmondsia (Gattung) Chinensis (Art) Seed (Samen) Oil (Öl) – das ist Jojobaöl.
| Pflanzenteil | Deutsch |
|---|---|
| Leaf | Blatt |
| Seed | Samen |
| Kernel | Kern |
| Fruit | Frucht |
| Flower | Blüte |
| Root | Wurzel |
| Bark | Rinde |
| Stem | Stängel |
Die Zubereitung am Ende verrät das Verfahren. Was Juice, Water und Butter bedeuten, erklären die Beiträge zu Pflanzensäften, Hydrolaten und Pflanzenbutter.
2. Warum überhaupt Latein
Die EU-Kosmetikverordnung schreibt vor, dass die Bestandteile mit ihrer gemeinsamen Bezeichnung angegeben werden. Für Pflanzen ist das der wissenschaftliche Name nach Gattung und Art. Das hat einen praktischen Vorteil: Dieselbe Liste ist in allen EU-Ländern gleich lesbar, unabhängig von der Landessprache.
Deutsche Namen wie „Jojoba“ oder „Sanddorn“ sind dagegen nicht eindeutig – für dieselbe Pflanze gibt es regional oft mehrere Bezeichnungen. Der lateinische Name legt die Pflanze fest.
3. Schrägstrich und fehlender Pflanzenteil
Ein Schrägstrich verbindet mehrere Pflanzenteile, die gemeinsam verarbeitet wurden. Centella Asiatica Flower/Leaf/Stem Extract ist ein Extrakt aus Blüten, Blättern und Stängeln. Mehr zu dieser Pflanze steht im Beitrag zu Cica und Centella asiatica.
Manchmal fehlt der Pflanzenteil ganz, etwa bei Euphrasia Officinalis Extract. Welcher Teil der Pflanze verwendet wurde, lässt sich dann aus dem Namen nicht ablesen. Die Beschreibung in der EU-Datenbank CosIng gibt in solchen Fällen oft mehr Auskunft.
Ein weiterer Sonderfall sind Namen ohne Art, bei denen nur die Gattung genannt wird. Dann ist nicht festgelegt, welche Art der Gattung verwendet wurde. In der Praxis sind solche Namen seltener als die vollständige Form mit Gattung und Art.
4. Warum manche Namen veraltet wirken
Botanische Namen ändern sich, wenn Pflanzen neu eingeordnet werden. INCI-Namen werden nicht automatisch jeder Umbenennung angepasst. Deshalb findest du in der Liste manchmal ältere Bezeichnungen:
- Aloe Barbadensis – in der Botanik heute Aloe vera
- Butyrospermum Parkii – der Sheanussbaum, heute Vitellaria paradoxa
- Pyrus Malus – der Apfel, heute Malus domestica
Für dich heißt das: Wenn du einen INCI-Namen nachschlägst, lohnt ein zweiter Suchbegriff mit dem heute gebräuchlichen Namen.
An der Pflanze selbst ändert der ältere Name nichts. Er ist lediglich die Bezeichnung, unter der der Bestandteil in der INCI-Systematik geführt wird.
5. Ein Beispiel mit vielen Pflanzennamen
Als Beispiel dient hier die eye cream von Santaverde, eine Augencreme mit einer langen INCI. Laut Herstellerangabe (Stand der Herstellerseite 30.09.2026) stehen dort unter anderem:
- Position 2: Simmondsia Chinensis Seed Oil – Jojobaöl aus den Samen
- Position 4: Carthamus Tinctorius Seed Oil – Öl aus Samen der Färberdistel
- Position 10: Prunus Armeniaca Kernel Oil – Aprikosenkernöl
- Position 14: Vitis Vinifera Seed Oil – Traubenkernöl
Aufschlussreich ist der Sanddorn: Hippophae Rhamnoides Fruit Extract steht an Position 6, Hippophae Rhamnoides Fruit Oil an Position 19. Gleiche Pflanze, gleicher Pflanzenteil, zwei verschiedene Verfahren – und deshalb zwei Einträge. Zur Anwendung nennt der Hersteller sinngemäß: nach Reinigen und Tonisieren sanft um das Auge herum auftragen. Wie das praktisch geht, zeigt der Beitrag zum Auftragen von Augencreme.
Weitere Einträge der Liste folgen demselben Muster: Passiflora Edulis Seed Oil an Position 13 ist Öl aus Samen der Passionsfrucht, Rosmarinus Officinalis Leaf Extract an Position 20 ein Extrakt aus Rosmarinblättern.
Ein Beispiel mit Sanddorn in zwei Formen
Santaverde eye cream, 10 ml. Eine Augencreme, in deren INCI laut Herstellerangabe Sanddorn einmal als Extrakt und einmal als Öl steht. Stand der Herstellerseite 30.09.2026. Vollständige Angaben, aktueller Preis und Grundpreis auf der Produktseite.
6. So schlägst du einen Namen nach
- Gattung und Art zusammen suchen, nicht nur das erste Wort – eine Gattung umfasst oft viele Arten.
- Pflanzenteil übersetzen mit der Tabelle oben.
- Zubereitung beachten: Öl, Extrakt, Saft und Hydrolat derselben Pflanze sind verschiedene Bestandteile.
- Glossar nutzen: Häufige Namen findest du im INCI-Glossar.
Für seltene Pflanzen hilft die Suche in der EU-Datenbank CosIng: Dort steht zu jedem INCI-Namen eine kurze Beschreibung, aus welcher Pflanze und welchem Pflanzenteil der Bestandteil stammt.
Merken
Gattung, Art, Pflanzenteil, Zubereitung – in dieser Reihenfolge ist fast jeder Pflanzenname in der INCI aufgebaut. Dieselbe Pflanze kann mehrfach auftauchen, wenn sie unterschiedlich verarbeitet wurde.
Die Kurzfassung: Ein Pflanzenname in der INCI verrät dir Gattung, Art, Pflanzenteil und Verfahren – wer diese vier Bausteine kennt, kann fast jede Zeile einer Naturkosmetik-INCI entschlüsseln.
Quellen
- Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel, Art. 19 Abs. 1 Buchst. g (Liste der Bestandteile) und Art. 33 (Glossar der gemeinsamen Bezeichnungen von Bestandteilen).
- Europäische Kommission, CosIng-Datenbank, Einträge zu den genannten Pflanzenbestandteilen, abgerufen am 30.09.2026.
- Royal Botanic Gardens, Kew, Plants of the World Online, Einträge Aloe barbadensis, Butyrospermum parkii, Pyrus malus, abgerufen am 30.09.2026.
- Herstellerangaben Santaverde zu eye cream (INCI, Füllmenge, Anwendung), santaverde.de, abgerufen am 30.09.2026.
Redaktionelle Prüfung: 01.10.2026, AF – Produktangaben (INCI-Auszüge, Füllmenge, Anwendung) am 30.09.2026 gegen die Produktseite abgeglichen, Fach- und Rechtsangaben gegen die genannten Quellen geprüft, keine Wirkaussagen. Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische oder rechtliche Beratung.