Namen mit „Ferment“, „Lysate“ oder „Filtrate“ tauchen in Pflegeprodukten immer häufiger auf. Oft steht dazu ein Bakterienname wie Lactobacillus oder Leuconostoc. Daraus entsteht leicht der Eindruck, das Produkt enthalte lebende Mikroorganismen.

Dieser Beitrag erklärt, welche Verfahrensschritte hinter den drei Begriffen stehen, wie die Namen aufgebaut sind und was sie über lebende Kulturen aussagen.

1. Drei Begriffe, drei Verfahrensschritte

  • Ferment: das Produkt einer Fermentation. Ein Mikroorganismus setzt dabei einen Nährboden oder einen Pflanzenrohstoff um.
  • Lysate: ein Lysat. Die Zellen der Mikroorganismen werden aufgeschlossen, also aufgebrochen.
  • Filtrate: ein Filtrat. Das Fermentationsprodukt wird gefiltert, feste Bestandteile wie Zellen werden abgetrennt.

Die EU-Datenbank CosIng beschreibt Lactobacillus Ferment Lysate entsprechend als Lysat des Produkts, das durch Fermentation von Lactobacillus gewonnen wird.

Die Begriffe lassen sich kombinieren. Es gibt etwa Lactobacillus Ferment Lysate Filtrate – ein Lysat, das anschließend gefiltert wurde. Auch Hefen und Pilze kommen als Mikroorganismen vor, etwa bei Galactomyces Ferment Filtrate.

Für dich als Leserin oder Leser der Liste heißt das: Das letzte Wort des Namens verrät den letzten Verarbeitungsschritt. Steht dort Filtrate, wurde zuletzt gefiltert; steht dort Lysate, wurden die Zellen zuletzt aufgeschlossen.

2. So ist der Name aufgebaut

Der Name nennt zuerst den Mikroorganismus, dann – durch einen Schrägstrich getrennt – das, was fermentiert wurde, und zuletzt die Verfahrensschritte:

INCIMikroorganismusRohstoffVerfahren
Lactobacillus Ferment LysateLactobacillusnicht genanntFermentation, Lyse
Leuconostoc/Radish Root Ferment FiltrateLeuconostocRettichwurzelFermentation, Filtration

Der Aufbau ähnelt dem von Pflanzennamen: erst die Herkunft, dann die Verarbeitung. Wie Pflanzennamen gelesen werden, erklärt der Beitrag zu Pflanzennamen in der INCI.

Nicht immer steht ein Rohstoff im Namen. Bei Lactobacillus Ferment Lysate nennt der INCI-Name nur den Mikroorganismus. Auf welchem Nährboden fermentiert wurde, bleibt dann offen. Die Gattung – hier Lactobacillus – steht für eine ganze Gruppe von Milchsäurebakterien, nicht für einen bestimmten Stamm.

3. Stecken lebende Mikroorganismen darin?

Die Begriffe selbst geben die Antwort. Ein Lysat besteht aus aufgebrochenen Zellen, ein Filtrat ist gerade der Teil, aus dem die Zellen entfernt wurden. Beide Begriffe beschreiben also keine lebenden Kulturen, sondern Zubereitungen aus einer Fermentation.

Wenn ein Produktname Begriffe wie „probiotic“ enthält, lohnt deshalb der Blick in die INCI: Dort steht, in welcher Form Mikroorganismen-Bestandteile tatsächlich enthalten sind.

Unabhängig davon verlangt die EU-Kosmetikverordnung für jedes Produkt einen Sicherheitsbericht, zu dem laut Anhang I auch Angaben zur mikrobiologischen Qualität gehören. Ein Produkt mit Mikroorganismen-Begriffen in der INCI unterliegt denselben Anforderungen wie jedes andere.

Ein Filtrat oder Lysat ist damit eine Zubereitung, die sich wie andere Pflanzen- oder Rohstoffauszüge in eine Rezeptur einarbeiten lässt. Es braucht weder Kühlung noch besondere Nährstoffe, wie es bei lebenden Kulturen der Fall wäre.

4. Ein Beispiel mit Lysat und Filtrat

Als Beispiel dienen hier die probiotic drops von Santaverde („probiotic“ ist Teil des Produktnamens, keine Aussage dieses Beitrags). Laut Herstellerangabe (Stand der Herstellerseite 30.09.2026) steht Lactobacillus Ferment Lysate an Position 5, Leuconostoc/Radish Root Ferment Filtrate an Position 10. Beide Namen beschreiben nach der oben erklärten Systematik Zubereitungen ohne lebende Zellen.

Für das Filtrat führt CosIng mehrere Funktionen, darunter „Antimicrobial“. Welche Rolle es in dieser Rezeptur hat, verrät die INCI nicht. Zur Anwendung nennt der Hersteller sinngemäß: nach Reinigen und Tonisieren zwei bis drei Tropfen mit Creme oder Öl mischen oder pur auf Gesicht, Hals und Dekolleté geben.

Ein Beispiel mit Lysat an Position 5

Santaverde probiotic drops, 30 ml. Ein Produkt in Tropfenform, in dessen INCI laut Herstellerangabe ein Lactobacillus-Lysat und ein Leuconostoc-Filtrat stehen. Stand der Herstellerseite 30.09.2026. Vollständige Angaben, aktueller Preis und Grundpreis auf der Produktseite.

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5. Fermentation ohne das Wort „Ferment“

Nicht jeder Stoff aus einer Fermentation trägt das im Namen. Einige Beispiele:

  • Xanthan Gum wird von einem Bakterium gebildet – mehr dazu im Beitrag zu Gelbildnern.
  • Sodium Hyaluronate wird häufig biotechnologisch hergestellt, siehe Hyaluron in der INCI.
  • Squalane kann über einen Fermentationsschritt aus Zuckerrohr entstehen, siehe Squalan in der INCI.

Die INCI benennt in diesen Fällen den fertigen Stoff, nicht den Herstellungsweg.

Auch Milchsäure, in der INCI Lactic Acid, kann durch Fermentation hergestellt werden. Ob das bei einem bestimmten Produkt so ist, verrät der Name nicht.

Merken

Ferment heißt fermentiert, Lysate heißt aufgebrochen, Filtrate heißt gefiltert. Keiner der drei Begriffe steht für lebende Kulturen.

6. So liest du solche Namen

  1. Mikroorganismus bestimmen: das erste Wort, zum Beispiel Lactobacillus oder Leuconostoc.
  2. Rohstoff suchen: steht nach dem Schrägstrich, falls genannt.
  3. Verfahren ablesen: Ferment, dann Lysate und/oder Filtrate.
  4. Funktion nachschlagen: Die Beschreibung und die hinterlegten Funktionen stehen in CosIng.

Häufige Namen findest du auch im INCI-Glossar.

Die Kurzfassung: Ferment, Lysate und Filtrate beschreiben Verfahrensschritte einer Fermentation – lebende Mikroorganismen bezeichnet keiner dieser Begriffe, und die INCI zeigt dir, welche Form tatsächlich enthalten ist.

Quellen

  1. Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel, Art. 19 Abs. 1 Buchst. g (Liste der Bestandteile) und Art. 33 (Glossar der gemeinsamen Bezeichnungen von Bestandteilen).
  2. Europäische Kommission, CosIng-Datenbank, Einträge Lactobacillus Ferment Lysate und Leuconostoc/Radish Root Ferment Filtrate (Beschreibung und Funktionen), abgerufen am 30.09.2026.
  3. Herstellerangaben Santaverde zu probiotic drops (INCI, Füllmenge, Anwendung), santaverde.de, abgerufen am 30.09.2026.

Redaktionelle Prüfung: 01.10.2026, AF – Produktangaben (INCI-Auszüge, Füllmenge, Anwendung) am 30.09.2026 gegen die Produktseite abgeglichen, Fach- und Rechtsangaben gegen die genannten Quellen geprüft, keine Wirkaussagen. Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische oder rechtliche Beratung.