Neben Pflanzenölen mit lateinischen Namen stehen in vielen Cremes Einträge wie Coco-Caprylate, Isoamyl Laurate oder Dicaprylyl Carbonate. Das sind Esteröle: Stoffe, die aus einer Säure und einem Alkohol aufgebaut werden. Im Beitrag über Omega-Fettsäuren und Öle sind sie kurz erwähnt, hier geht es um die Namen im Detail.
Dieser Beitrag erklärt, was ein Ester ist, wie du die INCI-Namen zerlegst, welche Funktion CosIng für Esteröle nennt und welche ölig klingenden Einträge chemisch etwas anderes sind.
1. Was ein Ester ist
Ein Ester entsteht, wenn eine Säure und ein Alkohol miteinander reagieren und dabei Wasser abgespalten wird. In der Kosmetik sind die Säuren meist Fettsäuren, etwa Laurinsäure oder Caprylsäure. Die Alkohole reichen von kurzen Molekülen bis zu langen Fettalkoholen.
Auch Pflanzenöle sind chemisch Ester: Triglyceride, bei denen drei Fettsäuren an ein Glycerin gebunden sind. Esteröle im engeren Sinn sind dagegen gezielt aufgebaute Moleküle mit einer bestimmten Kombination aus Säure und Alkohol. Die Ausgangsstoffe stammen oft aus Pflanzenölen, das fertige Esteröl kommt so aber nicht in der Natur vor.
2. Die Namen lesen: Alkohol vorn, Säure hinten
Viele Esternamen in der INCI folgen einem Muster: Vorn steht der Alkohol, hinten die Säure mit der Endung -ate. Wenn du dieses Muster kennst, lassen sich die meisten Namen zerlegen.
| INCI | Alkohol | Säure |
|---|---|---|
| Isoamyl Laurate | Isoamylalkohol | Laurinsäure |
| Coco-Caprylate | Fettalkohole aus Kokosöl | Caprylsäure |
| Decyl Cocoate | Decylalkohol | Fettsäuren aus Kokosöl |
| Dicaprylyl Carbonate | zweimal Caprylylalkohol | Kohlensäure |
| Caprylic/Capric Triglyceride | Glycerin | Capryl- und Caprinsäure |
Die Vorsilbe „Coco“ zeigt, dass ein Bestandteil aus Kokosöl gewonnen wurde. Steht „Coco“ vorn, betrifft es den Alkohol, steht es hinten, die Säure. Dicaprylyl Carbonate ist ein Sonderfall: Hier ist die Säure Kohlensäure, an die zwei Alkoholreste gebunden sind.
3. Wozu Esteröle in der Rezeptur stehen
Die CosIng-Datenbank der EU-Kommission führt Esteröle wie Coco-Caprylate, Isoamyl Laurate oder Dicaprylyl Carbonate vor allem als Emollient. So heißt die Funktionsgruppe der Stoffe, die in der Fettphase einer Rezeptur stehen. Isoamyl Laurate und Dicaprylyl Carbonate sind dort zusätzlich als hautpflegend (Skin Conditioning) geführt.
Für die Formulierung sind Esteröle interessant, weil sich ihre Eigenschaften über die Wahl von Säure und Alkohol steuern lassen: wie flüssig sie sind, wie sich eine Creme verteilen lässt, wie schnell der Glanz auf der Oberfläche verschwindet. Wie Emollients sich von Feuchthaltemitteln und Okklusiva unterscheiden, erklärt der Beitrag Feuchtigkeit oder Fett.
4. Was die Bausteine über die Eigenschaften verraten
Aus den Namen lässt sich mehr ablesen als die Herkunft. Laurinsäure, Caprylsäure und Caprinsäure sind gesättigte Fettsäuren: Sie haben keine Doppelbindungen im Molekül. Solche Ester reagieren deutlich langsamer mit Sauerstoff als Öle mit vielen ungesättigten Fettsäuren. Warum das für die Haltbarkeit eines Öls wichtig ist, erklärt der Beitrag über Tocopherol.
Auch die Kettenlänge spielt eine Rolle. Kurze und verzweigte Bausteine ergeben eher dünnflüssige Öle, lange und gerade Ketten eher dickere oder feste Stoffe. Hersteller kombinieren deshalb oft mehrere Esteröle mit Pflanzenölen, um eine bestimmte Konsistenz zu erreichen. Welche Kombination sie wählen, ist eine Frage der Rezeptur, nicht der Qualität einzelner Stoffe.
5. Nicht jedes Öl in der Liste ist ein Ester
Einige ölige Einträge klingen ähnlich, gehören aber zu anderen Stoffgruppen:
- Octyldodecanol ist ein verzweigter Fettalkohol und flüssig. Er hat keinen Säureteil und ist deshalb kein Ester. Was Fettalkohole in der INCI bedeuten, steht im Beitrag zu Alcohol in der INCI.
- Einträge auf -ane wie Coconut Alkanes oder Squalane sind Kohlenwasserstoffe ohne Sauerstoff im Molekül.
- Simmondsia Chinensis Seed Oil, das Jojobaöl, heißt zwar Öl, ist chemisch aber ein flüssiges Wachs aus langkettigen Wachsestern.
Merken
Endet ein Name auf -ate und steht davor ein Alkoholteil (nicht Sodium/Potassium), ist es meist ein Ester. -ol am Ende deutet auf einen Alkohol, -ane auf einen Kohlenwasserstoff. Pflanzenöle sind Triglyceride, also ebenfalls Ester.
6. Vier Esteröle und ein Fettalkohol in einer Nachtcreme
Als Beispiel dient hier die MÁDARA SOS+ Sensitive Nachtcreme („SOS+ Sensitive“ ist Teil des Produktnamens). Laut Herstellerangabe (Stand der Herstellerseite 30.09.2026) stehen in ihrer INCI Coco-Caprylate an Position 7, Dicaprylyl Carbonate an Position 8 und Isoamyl Laurate an Position 9. Weiter hinten folgen Octyldodecanol an Position 13 und Caprylic/Capric Triglyceride an Position 14. Davor stehen unter anderem Aloe Barbadensis Leaf Juice, Simmondsia Chinensis Seed Oil und Glycerin.
Die Liste zeigt, dass Esteröle, ein Fettalkohol und ein Pflanzenwachs in derselben Fettphase zusammenkommen können. Aufgetragen wird die Creme laut Hersteller jeden Abend auf die gereinigte Haut.
Die Kurzfassung: Esteröle sind aus Säure und Alkohol aufgebaute Öle – ihr INCI-Name verrät dir meist beide Bausteine, und die Endung zeigt, ob du einen Ester, einen Alkohol oder einen Kohlenwasserstoff vor dir hast.
Quellen
- Europäische Kommission, CosIng-Datenbank, Einträge Coco-Caprylate, Isoamyl Laurate, Dicaprylyl Carbonate, Caprylic/Capric Triglyceride, Octyldodecanol, abgerufen am 30.09.2026.
- Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel, Artikel 19 (Angabe der Bestandteile).
- Herstellerangaben MÁDARA zu SOS+ Sensitive Nachtcreme (INCI, Füllmenge, Anwendung), madaracosmetics.com, abgerufen am 30.09.2026.
Redaktionelle Prüfung: 01.10.2026, AF – Produktangaben (INCI-Auszüge, Füllmenge, Anwendung) am 30.09.2026 gegen die Produktseite abgeglichen, Fach- und Rechtsangaben gegen die genannten Quellen geprüft, keine Wirkaussagen. Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische oder rechtliche Beratung.