„Omega-3“, „Omega-6“ und „Omega-9“ kennst du vermutlich aus der Ernährung. Auch auf Pflegeölen tauchen die Begriffe auf. Die Zahlen wirken wie eine Rangfolge, sind aber etwas ganz anderes.

Hier liest du, was die Zahl chemisch bedeutet, welche Fettsäuren zu welcher Familie gehören, in welchen Pflanzenölen sie vorkommen und was das für die Aufbewahrung heißt. Es geht dabei ausschließlich um Kosmetik, nicht um Ernährung.

1. Was die Zahl bedeutet

Fettsäuren sind Ketten aus Kohlenstoffatomen. An einem Ende sitzt eine Säuregruppe, am anderen eine Methylgruppe. Enthält die Kette keine Doppelbindung, heißt die Fettsäure gesättigt. Mit einer oder mehreren Doppelbindungen ist sie ungesättigt.

Die Omega-Zahl beschreibt, an welcher Stelle die erste Doppelbindung sitzt – gezählt vom Methylende der Kette aus. Omega ist der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets, daher der Name. Bei einer Omega-3-Fettsäure liegt die erste Doppelbindung also am dritten Kohlenstoffatom vom Ende. In der Fachliteratur findest du dafür auch die Schreibweise n-3, n-6 und n-9.

Ein Beispiel: Ölsäure hat 18 Kohlenstoffatome und eine einzige Doppelbindung. Sie sitzt zwischen dem neunten und zehnten Kohlenstoffatom, vom Methylende aus gezählt – daher Omega-9.

Die Zahl ist damit keine Stufe, bei der „mehr“ „besser“ bedeutet. Sie ordnet Fettsäuren in Familien ein. Gesättigte Fettsäuren haben keine Doppelbindung und deshalb auch keine Omega-Zahl.

2. Die drei Familien im Überblick

FamilieTypische FettsäureBeispiele für Öle, die sie enthalten
Omega-9ÖlsäureOlivenöl, Mandelöl
Omega-6Linolsäure, Gamma-LinolensäureBorretschsamenöl, Nachtkerzenöl (beide mit Gamma-Linolensäure)
Omega-3Alpha-LinolensäureHimbeersamenöl

Ein Detail zeigt, wie wenig die Namen über die Familie verraten: Alpha- und Gamma-Linolensäure haben beide 18 Kohlenstoffatome und drei Doppelbindungen. Weil die erste Doppelbindung an einer anderen Stelle sitzt, gehört die Alpha-Form zur Omega-3-, die Gamma-Form zur Omega-6-Familie. Ölsäure hat eine Doppelbindung, Linolsäure zwei.

Jedes Pflanzenöl ist ein Gemisch verschiedener Fettsäuren, die überwiegend als Triglyceride vorliegen, also an Glycerin gebunden. Ein Öl gehört deshalb nie nur zu einer Familie. Wie hoch die Anteile sind, schwankt mit Pflanze, Ernte und Verarbeitung. Auf dem Etikett stehen sie in der Regel nicht.

3. Doppelbindungen und Haltbarkeit

Doppelbindungen sind die reaktionsfreudigen Stellen einer Fettsäure. An ihnen kann Sauerstoff angreifen, das Öl oxidiert und wird mit der Zeit ranzig. Fettsäuren mit mehreren Doppelbindungen, wie viele Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren, sind dafür empfindlicher als Ölsäure mit nur einer.

Deshalb enthalten Öle mit solchen Fettsäuren häufig Tocopherol, also Vitamin E, das in der EU-Datenbank CosIng als Antioxidans geführt wird. Für dich heißt das: Flasche nach Gebrauch schließen, kühl und lichtgeschützt lagern und die Angabe zur Haltbarkeit nach dem Öffnen beachten. Ranzigkeit erkennst du meist am Geruch: Riecht ein Öl streng oder nach alten Nüssen, ist es über seine Zeit hinaus.

4. Ein Beispiel: Omega im Produktnamen

Als Beispiel dient hier das MÁDARA Omega 3-6-9 Concentrate mit 17,5 ml; „3-6-9“ ist Teil des Produktnamens. Laut Herstellerseite (Stand 30.09.2026) steht an Position 1 Decyl Cocoate, ein Esteröl aus Decylalkohol und Kokosfettsäuren. Kokosfettsäuren sind überwiegend gesättigt und tragen damit keine Omega-Zahl. Esteröle wie dieses entstehen aus einem Alkohol und Fettsäuren; sie werden in Rezepturen häufig eingesetzt, um die Textur eines Öls zu beeinflussen.

Es folgen Himbeersamenöl, Borretschsamenöl, Nachtkerzenöl, Olivenöl und Mandelöl – also Öle aus allen drei Familien der Tabelle oben. Dazu kommen Undecane und Tridecane, zwei Kohlenwasserstoffe, sowie Tocopherol. Am Ende stehen Aroma und die Duftstoffe Limonene, Linalool und Citral, die als Duftstoffallergene einzeln angegeben werden. Was das bedeutet, erklärt der Beitrag Mit oder ohne Duft.

Laut Hersteller werden morgens und/oder abends ein bis drei Tropfen in eine Gesichts- oder Körpercreme gemischt. Das Produkt ist nur zur äußerlichen Anwendung bestimmt; bei Reizung soll es laut Hersteller nicht weiterverwendet werden.

5. So liest du Omega-Angaben

  1. Familie, nicht Menge: Eine Omega-Angabe sagt, welche Fettsäurefamilien vertreten sind, nicht in welchem Anteil.
  2. INCI-Reihenfolge beachten: Welche Öle weit vorn stehen, zeigt die Liste. Oberhalb von einem Prozent gilt die absteigende Reihenfolge, wie der Beitrag zur 1-%-Regel erklärt.
  3. Name ist nicht Zusammensetzung: Eine Zahlenfolge im Produktnamen sagt nichts über die Anteile der Öle. An Position 1 kann ein ganz anderer Stoff stehen, wie das Beispiel zeigt.
  4. Kosmetik ist nicht Ernährung: Was du über Omega-Fettsäuren aus der Ernährung kennst, lässt sich nicht auf ein Pflegeöl übertragen.

Wichtig einzuordnen

Bei anhaltenden Hautbeschwerden gehört die Frage in ärztliche Hände. Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische Beratung.

Die Kurzfassung: Die Omega-Zahl nennt die Position der ersten Doppelbindung vom Kettenende und ordnet Fettsäuren in Familien – über Mengen sagt sie nichts, und mehr Doppelbindungen heißt vor allem: sorgfältig lagern.

Quellen

  1. Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel, Art. 19 (Kennzeichnung).
  2. Verordnung (EG) Nr. 1223/2009, Anhang III (Duftstoffallergene).
  3. Europäische Kommission, CosIng-Datenbank der kosmetischen Inhaltsstoffe, Funktionsangaben zu Tocopherol, Decyl Cocoate, Undecane und Tridecane.
  4. Herstellerangaben MÁDARA zu Omega 3-6-9 Concentrate (INCI, Füllmenge, Anwendung), madaracosmetics.com, abgerufen am 30.09.2026.

Redaktionelle Prüfung: 01.10.2026, AF – Produktangaben (INCI-Auszüge, Füllmenge, Anwendung) am 30.09.2026 gegen die Produktseite abgeglichen, Fach- und Rechtsangaben gegen die genannten Quellen geprüft, keine Wirkaussagen. Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische oder rechtliche Beratung.