Auf Cremetiegeln steht „Feuchtigkeitspflege“, in Ratgebern ist von „reichhaltig“ die Rede, und im Gespräch wird beides gern gleichgesetzt. Dabei beschreiben die Wörter unterschiedliche Dinge: Feuchtigkeit meint Wasser, Fett meint Lipide wie Öle, Butter und Wachse.

Wer die beiden Begriffe trennt, liest eine INCI-Liste anders. Du siehst dann nicht nur, was in einer Creme steckt, sondern auch, zu welcher Gruppe die einzelnen Stoffe gehören.

1. Was die beiden Wörter eigentlich meinen

„Feuchtigkeit“ ist in der Kosmetik ein Alltagswort für Wasser und für Stoffe, die Wasser binden. „Fett“ steht für die lipophile Seite einer Rezeptur: Öle, Butter, Wachse und fettähnliche Ester. Die beiden Gruppen mischen sich nicht von selbst – eine Creme braucht dafür einen Emulgator.

Wichtig für das Lesen von Packungen: Begriffe wie „feuchtigkeitsspendend“ oder „reichhaltig“ sind Aussagen des Herstellers. Sie sagen nicht, welche Stoffe in welcher Menge enthalten sind. Das steht nur in der INCI-Liste.

2. Drei Stoffgruppen: Humectants, Emollients, Okklusiva

In der Fachsprache werden die Stoffe nach ihrer Funktion in der Rezeptur sortiert. Die EU-Datenbank CosIng ordnet jedem Inhaltsstoff Funktionsangaben wie Humectant oder Emollient zu; „Okklusiva“ ist dagegen ein Fachbegriff, der dort nicht als eigene Funktion geführt wird. Drei Gruppen sind für diese Frage relevant:

GruppeFunktion laut FachbegriffTypische INCI-Namen
Humectants (Feuchthaltemittel)binden und halten WasserGlycerin, Sodium PCA, Sodium Hyaluronate
Emollientsmachen die Oberfläche weich und glattPflanzenöle, Squalane, Dicaprylyl Carbonate
Okklusivabilden einen Film auf der OberflächeWachse, Butter

Die Grenzen sind nicht scharf. Viele Lipide werden sowohl als Emollient als auch als filmbildend beschrieben, und ein einzelner Stoff kann in CosIng mehrere Funktionen tragen. Für den Alltag reicht die grobe Trennung: Humectants gehören zur wässrigen Seite, Emollients und Okklusiva zur fettigen.

3. So erkennst du beide Gruppen in der INCI-Liste

Die INCI-Liste steht in absteigender Reihenfolge der Menge, zumindest für alle Stoffe über einem Prozent. Wie das funktioniert, erklärt der Beitrag zur 1-%-Regel. Für die Frage „Feuchtigkeit oder Fett“ helfen ein paar Erkennungszeichen:

  • Wässrige Seite: Aqua oder ein Pflanzensaft wie Aloe Barbadensis Leaf Juice am Anfang, dazu Glycerin, Sodium PCA, Sodium Hyaluronate, Betaine oder Glykole.
  • Fettige Seite: Namen mit „Oil“, „Butter“ oder „Wax“, dazu Ester wie Dicaprylyl Carbonate oder Caprylic/Capric Triglyceride und Kohlenwasserstoffe wie Squalane.
  • Verbindungsglied: Emulgatoren, oft mit Namensteilen wie „Stearate“, „Glucoside“ oder „Polyglyceryl“.

Einzelne Namen schlägst du im INCI-Glossar nach.

4. Von wässrig bis wasserfrei

Zwischen rein wässrigen Produkten wie Gesichtswasser und wasserfreien Produkten wie Gesichtsölen oder Balsamen liegen Cremes und Lotionen als Emulsionen aus einer Wasser- und einer Fettphase. Wie sich diese Texturen unterscheiden, erklärt der Beitrag Lotion, Creme, Butter.

5. Ein Beispiel: eine Creme mit beiden Gruppen

Als Beispiel dient hier die Hydra Recharge Gesichtscreme von MÁDARA („Hydra Recharge“ ist Teil des Produktnamens, keine Aussage dieses Beitrags). Laut Herstellerseite (Stand 30.09.2026) beginnt die INCI mit Aqua, an Position 2 folgt Jojobaöl, danach Dicaprylyl Carbonate, der Emulgator Polyglyceryl-3 Methylglucose Distearate und Glycerin. Weiter hinten stehen unter anderem Squalane und Sodium Hyaluronate.

Zählt man die Liste durch, lassen sich weitere Stoffe zuordnen. Zur wässrigen Seite gehören neben Aqua und Glycerin die Glykole Pentylene Glycol (Position 6) und Butylene Glycol (Position 11) sowie Sodium PCA (Position 13); Sodium Hyaluronate folgt an Position 23. Zur fettigen Seite gehören der Ester Isoamyl Laurate (Position 7), Squalane (Position 17) und zwei Wachse: Rhus Verniciflua Peel Cera (Position 16) und Copernicia Cerifera Cera, das Carnaubawachs, an Position 31. Glyceryl Stearate und Cetearyl Alcohol an den Positionen 9 und 10 dienen in Emulsionen als Konsistenzgeber und Co-Emulgatoren.

Die Liste zeigt also beide Gruppen: Feuchthaltemittel wie Glycerin, Sodium PCA und Sodium Hyaluronate auf der einen Seite, Lipide wie Jojobaöl, Squalane und Wachse auf der anderen. Jojobaöl ist chemisch übrigens ein flüssiges Wachs aus Wachsestern, kein Triglyceridöl. Der Hersteller nennt als Anwendung, die Creme morgens und/oder abends mit ein bis zwei Pumpstößen auf das gereinigte Gesicht und den Hals aufzutragen.

6. Was die Begriffe nicht verraten

Die Einteilung beschreibt die Zusammensetzung, nicht das Hautgefühl und nicht, wie eine Creme bei dir ankommt. Zwei Produkte mit ähnlichen Stoffgruppen können sich sehr unterschiedlich anfühlen, weil Mengen, Emulgatoren und Konsistenzgeber abweichen.

Auch die Reihenfolge der Produkte in einer Routine ist eine eigene Frage. Sie ist im Beitrag Abendroutine für trockene Haut beschrieben; hier geht es nur um die Begriffe.

Merken

Feuchtigkeit ist Wasser und was es bindet. Fett sind Öle, Butter und Wachse. Eine Creme ist meist beides, zusammengehalten von einem Emulgator.

Die Kurzfassung: Feuchtigkeit und Fett sind zwei Stoffgruppen – welche davon eine Creme enthält, zeigt nicht das Etikett, sondern die INCI-Liste.

Quellen

  1. Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel, Art. 19 Abs. 1 lit. g (Angabe der Bestandteile).
  2. Europäische Kommission, CosIng-Datenbank, Funktionsangaben der genannten Inhaltsstoffe.
  3. Herstellerangaben MÁDARA zu Hydra Recharge Gesichtscreme (INCI, Füllmenge, Anwendung), madaracosmetics.com, abgerufen am 30.09.2026.

Redaktionelle Prüfung: 01.10.2026, AF – Produktangaben (INCI-Auszüge, Füllmenge, Anwendung) am 30.09.2026 gegen die Produktseite abgeglichen, Fach- und Rechtsangaben gegen die genannten Quellen geprüft, keine Wirkaussagen. Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische oder rechtliche Beratung.