Was dieser Beitrag nicht ist
Dies ist eine Orientierungshilfe für den Aufbau einer Pflegeroutine, keine medizinische Beratung. Anhaltend trockene, gerötete, juckende oder entzündete Haut gehört dermatologisch abgeklärt – kosmetische Produkte sind dafür nicht das richtige Mittel und werden hier auch nicht als solches empfohlen.
Die beste Routine ist die, die du auch an einem müden Dienstagabend noch machst. Deshalb steht hier eine kurze.
Es gibt kaum ein Thema, zu dem online mehr widersprüchliche Empfehlungen kursieren als die abendliche Gesichtspflege. Zehn Schritte, sieben Schritte, ein Schritt. Die Wahrheit ist unspektakulär: Für trockene Haut braucht es keine lange Liste, sondern eine sinnvolle Reihenfolge und Produkte, die man auch tatsächlich jeden Abend benutzt.
1. Die Regel: dünn vor dick
Produkte werden von der dünnsten zur dicksten Konsistenz aufgetragen – wässrig vor gelartig, gelartig vor cremig, cremig vor ölig. Der Grund ist praktisch: Auf einer bereits aufgetragenen fettigen Schicht lässt sich ein wässriges Produkt nur noch schwer gleichmäßig verteilen, umgekehrt funktioniert es problemlos. Das ist eine Faustregel für das Auftragen – keine Aussage darüber, was in die Haut gelangt.
Der ganze Grundsatz in einem Satz
Wasser vor Öl. Alles Weitere ist eine Frage der Gewohnheit.
Daraus folgt auch, wo man kürzen kann: Wer abends nur zwei Produkte benutzen möchte, nimmt eines aus der wässrigen und eines aus der öligen Gruppe – nicht zwei aus derselben.
2. Die vier Schritte
Schritt 1 – Reinigen
Abends ist die Reinigung der Schritt, auf den am wenigsten verzichtet wird: Der Tag hinterlässt Sonnenschutz, Make-up und Staub auf der Haut. Reinigungsmilch und Reinigungsöl werden bei trockener Haut häufig als angenehmer empfunden als stark schäumende Gele. Wie stark ein Reiniger entfettet, hängt allerdings vom Tensidsystem ab und nicht davon, ob er schäumt – auch schäumende Produkte können milde Tenside enthalten. Lauwarmes Wasser statt heißem: Je heißer das Wasser, desto stärker werden Hautfette gelöst.
Schritt 2 – Feuchtigkeit auftragen
Direkt nach der Reinigung, solange die Haut noch leicht feucht ist. Hier gehören wässrige Produkte hin: Gesichtswasser, Hydrolat, ein leichtes Gel. Trockene Haut wird oft nur mit einer reichhaltigen Creme gepflegt; viele empfinden es als angenehmer, davor zusätzlich ein wässriges Produkt aufzutragen. Ob das für dich einen Unterschied macht, merkst du am schnellsten, wenn du es zwei bis vier Wochen ausprobierst.
Schritt 3 – Abschließen
Die reichhaltige Creme kommt zuletzt, weil ihre Textur schwerer ist als die der vorherigen Schritte. Wenn sich eine Creme allein nicht ausreichend anfühlt, tragen viele zusätzlich ein Gesichtsöl auf – nach der Creme, nicht davor, weil sich ein wässriges oder cremiges Produkt auf einer Ölschicht schlechter gleichmäßig verteilen lässt. Maßgeblich ist immer die Anwendungsempfehlung des Herstellers auf der Packung; manche Hersteller sehen das Öl ausdrücklich vor der Creme vor.
Schritt 4 – Weglassen
Der am häufigsten übersehene Schritt. Peelings, Masken und Säuren gehören als Faustregel nicht in die tägliche Abendroutine, sondern ein- bis zweimal pro Woche. Maßgeblich ist aber immer die Anwendungsempfehlung des Herstellers – manche Produkte, etwa als milder beschriebene Enzympeelings, sind laut Hersteller häufiger vorgesehen; mehr dazu im Beitrag Enzympeeling statt Körnchen. Wer jeden Abend etwas Neues aufträgt, kann nicht mehr zuordnen, worauf die Haut reagiert.
Eine Änderung nach der anderen
Ein neues Produkt allein einführen und mindestens zwei bis vier Wochen beibehalten, bevor das nächste dazukommt. Wer drei Produkte gleichzeitig wechselt und danach eine Reaktion beobachtet, weiß nicht, welches davon die Ursache war.
3. Die drei Schritte an Beispielprodukten
Drei Beispiele, an denen die drei Konsistenzgruppen sichtbar werden. Welche Produkte für dich passen, entscheidest du selbst – die Beispiele zeigen nur, wie sich die Schritte voneinander unterscheiden. Aktuelle Preise und Grundpreise stehen jeweils im Shop.
| Schritt | Konsistenzgruppe | Beispielprodukt | Füllmenge |
|---|---|---|---|
| 1 Reinigen | Reinigungsmilch | Santaverde cleansing emulsion | 100 ml |
| 2 Feuchtigkeit | Hydrolat, wässrig | ein reines Rosenwasser – siehe Beitrag Rosenwasser oder Rosenöl | 100 ml |
| 3 Abschließen | reichhaltige Creme | Santaverde cream rich | 30 ml |
Santaverde selbst beschreibt die cream rich auf der Produktseite als Pflege für trockene, empfindliche und anspruchsvolle Haut (Stand 27.08.2026). Diese Einordnung ist eine Aussage des Herstellers, nicht meine. Ob eine Creme zu deiner Haut passt, lässt sich daraus nicht ableiten. Der Blick auf die INCI-Liste zeigt jedenfalls, warum sie am Ende der Routine steht:
Grün markiert ist die Zone über 1 %, grau die Zone darunter; der Strich markiert die geschätzte Grenze – die Verordnung schreibt keine Markierung vor.
Unter den ersten neun Positionen stehen mit Sesamöl, Kokosöl, Mandelöl und Sheabutter vier fettende Bestandteile. Aqua taucht erst an zehnter Stelle auf, Aloe-Vera-Saft steht an erster. Das ist eine reichhaltige Rezeptur, und genau deshalb gehört sie an das Ende der Routine und nicht an den Anfang. Wie sich solche Listen systematisch lesen lassen, steht im Beitrag Die 1-%-Regel.
Das Beispielprodukt für Schritt 3
Santaverde cream rich, 30 ml. INCI-Liste abgerufen am 27.08.2026. Vollständige Liste, aktueller Preis und Grundpreis auf der Produktseite.
4. Die lange Zeile am Ende der Liste
Hinter Parfum stehen in der Liste oben mehr als zwanzig weitere Begriffe: Limonene, Linalool, Citral, Coumarin, Geraniol und andere. Das sind keine Zusatzstoffe, sondern die einzeln aufgeführten Bestandteile der verwendeten ätherischen Öle.
Seit dem 31. Juli 2026 müssen rund 80 solcher Duftstoffbestandteile einzeln deklariert werden, deutlich mehr als zuvor – Grundlage ist die Verordnung (EU) 2023/1545. Bestandsware darf noch bis zum 31. Juli 2028 mit der alten Kennzeichnung verkauft werden. Naturkosmetik mit ätherischen Ölen ist davon besonders sichtbar betroffen, weil dort viele dieser Stoffe natürlich vorkommen.
Wichtig einzuordnen
Eine lange Duftstoffzeile ist kein Qualitätsurteil. Sie zeigt, dass ätherische Öle in der Rezeptur enthalten sind, und macht sie einzeln nachlesbar. Wer Duftstoffe meiden möchte, findet bei vielen Herstellern parfümfreie Varianten; sie tragen meist den Zusatz „ohne Duft“ im Produktnamen. Parfümfrei bedeutet dabei nicht allergenfrei. Wenn Haut wiederholt auf Pflegeprodukte reagiert, gehört das ärztlich abgeklärt; ein Produktwechsel ersetzt die Abklärung nicht.
5. Vier Dinge, die eine Routine unnötig teuer machen
- Zu große Mengen. Eine erbsengroße Menge reicht für das ganze Gesicht. Wer doppelt dosiert, halbiert die Reichweite und verdoppelt die Kosten pro Monat.
- Zwei Produkte derselben Gruppe. Zwei Seren übereinander bringen selten mehr als eines. Der zweite Schritt sollte aus einer anderen Konsistenzgruppe kommen.
- Ständiges Wechseln. Angebrochene Produkte haben eine begrenzte Verwendbarkeit nach dem Öffnen – erkennbar am geöffneten Tiegelsymbol mit Zahl auf der Verpackung oder, bei kurz haltbaren Produkten, am Mindesthaltbarkeitsdatum. Fünf halbvolle Tiegel sind teurer als zwei aufgebrauchte.
- Kaufen nach Vorderseite statt nach Grundpreis. Wie man in fünf Sekunden vergleicht, steht im Beitrag Preis pro 100 ml.
Die Routine auf einen Blick
Abends: Reinigen → wässriges Produkt auf noch feuchte Haut → reichhaltige Creme → bei Bedarf Öl (Reihenfolge nach Herstellerangabe).
Ein- bis zweimal pro Woche: Peeling oder Maske, an einem Abend ohne weitere neue Produkte – sofern die Herstellerangabe nichts anderes vorsieht.
Immer: nur eine Änderung gleichzeitig.
Wenn du von dieser Seite nur eine Sache mitnimmst, dann gern diese: lieber drei Produkte, die du wirklich jeden Abend benutzt, als acht, die im Schrank alt werden.
Quellen
- INCI-Liste, Füllmenge und Hauttyp-Zuordnung des Herstellers: santaverde.de, abgerufen am 27.08.2026.
- Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel, Artikel 19 (Kennzeichnung) und Anhang III.
- Verordnung (EU) 2023/1545: Erweiterung der einzeln kennzeichnungspflichtigen Duftstoffe; Geltung ab 31.07.2026, Abverkauf von Bestandsware bis 31.07.2028.
Redaktionelle Prüfung: 27.08.2026, AF – INCI-Listen und Füllmengen gegen die Herstellerseiten geprüft. Die Anwendungshinweise sind allgemeine Reihenfolgeregeln und keine Aussage über die Wirkung eines bestimmten Produkts; Herstellerangaben sind als solche gekennzeichnet. Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische Beratung. Ergänzt am 19.09.2026: Querverweis auf „Enzympeeling statt Körnchen“, Vorrang der Herstellerangabe bei Peeling-Häufigkeit und Öl-Reihenfolge klargestellt, Kennzeichnung im Abschnitt „Weiterlesen“ ergänzt.