Kaum ein Pflegeöl kommt ohne Tocopherol aus, und auch in vielen Cremes steht der Name irgendwo in der zweiten Hälfte der INCI. Auf Verpackungen heißt der Stoff gern Vitamin E.

Dieser Beitrag erklärt, was sich hinter dem Begriff Vitamin E verbirgt, warum Öle einen Oxidationsschutz brauchen, welche Funktion die EU-Datenbank CosIng für Tocopherol nennt und warum Tocopheryl Acetate ein anderer Eintrag ist.

1. Vitamin E ist ein Sammelbegriff

Vitamin E ist kein einzelner Stoff, sondern eine Gruppe fettlöslicher Verbindungen: die Tocopherole und die Tocotrienole, jeweils in mehreren Formen, die mit griechischen Buchstaben unterschieden werden. In der Kosmetik ist vor allem Tocopherol gebräuchlich.

In der INCI steht es als Tocopherol. Der Name sagt nicht, welche Form oder Mischung genau gemeint ist, und auch nicht, ob der Rohstoff aus Pflanzenölen gewonnen oder synthetisch hergestellt wurde. Pflanzliche Tocopherole stammen häufig aus Soja- oder Sonnenblumenöl. Deshalb steht Tocopherol in manchen Listen direkt neben Helianthus Annuus Seed Oil – dann kann das Sonnenblumenöl als Träger des Rohstoffs dienen.

2. Warum Öle einen Oxidationsschutz brauchen

Ungesättigte Fettsäuren in Pflanzenölen reagieren an ihren Doppelbindungen mit Sauerstoff, Licht und Wärme beschleunigen das, und das Öl wird ranzig. Welche Fettsäuren in welchen Ölen stecken, erklärt der Beitrag über Omega-Fettsäuren und Öle.

Viele Pflanzenöle enthalten von Natur aus Tocopherole. Hersteller setzen trotzdem oft zusätzliches Tocopherol ein. In der INCI erscheint nur, was als eigener Rohstoff zugegeben wurde, nicht der natürliche Gehalt der Öle.

3. Was CosIng als Funktion angibt

Die CosIng-Datenbank der EU-Kommission führt Tocopherol unter anderem als Antioxidans (Antioxidant) und mit einer pflegenden Funktion (Skin Conditioning). Die Funktion Antioxidans bezieht sich auf das Produkt: Der Stoff soll verhindern, dass Bestandteile der Rezeptur mit Sauerstoff reagieren.

Oft arbeitet Tocopherol in der Liste mit Partnern zusammen, etwa Ascorbyl Palmitate, einer fettlöslichen Form von Vitamin C. Mehr zu den verschiedenen Vitamin-C-Formen steht im Beitrag über Vitamin C in der INCI.

Tocopherol ersetzt keine sachgerechte Lagerung. Auch ein Öl mit Tocopherol altert, und nach dem Öffnen gilt die Angabe auf dem Tiegelsymbol. Was diese Angabe bedeutet, steht im Beitrag zur Haltbarkeit nach dem Öffnen.

4. Tocopherol und Tocopheryl Acetate

Tocopheryl Acetate ist ein Ester aus Tocopherol und Essigsäure. Bei dieser Verbindung ist genau die OH-Gruppe gebunden, über die Tocopherol mit Sauerstoff reagiert. Dadurch ist der Stoff selbst stabiler, übernimmt im Produkt aber nicht die Rolle eines Oxidationsschutzes in derselben Weise, auch wenn CosIng für Tocopheryl Acetate ebenfalls die Funktion Antioxidant führt.

Beide Einträge werden auf Verpackungen gern als Vitamin E bezeichnet. In der INCI sind es zwei verschiedene Stoffe. Wenn du wissen willst, welcher verwendet wurde, hilft nur der genaue Name in der Liste. Die Bezeichnung auf der Vorderseite der Packung reicht dafür nicht aus, denn dort ist beides schlicht „Vitamin E“.

Merken

Tocopherol steht in Ölen vor allem, um die Rezeptur vor Oxidation zu schützen. Tocopheryl Acetate ist ein anderer Stoff. Die INCI zeigt nur zugesetztes Tocopherol, nicht den natürlichen Gehalt der Öle.

5. Ein Beispiel aus einem Pflegeöl

Als Beispiel dient hier das MÁDARA Vitamin Oil („Vitamin Oil“ ist der Produktname). Laut Herstellerangabe (Stand der Herstellerseite 30.09.2026) beginnt die INCI mit Oenothera Biennis (Evening Primrose) Oil, Borago Officinalis Seed Oil und Olea Europaea Fruit Oil, also Nachtkerzen-, Borretsch- und Olivenöl. Nachtkerzen- und Borretschöl sind reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Tocopherol steht an Position 8 von 16, zwischen Rosa Canina Fruit Extract und Tridecane.

Verwendet wird das Öl laut Hersteller morgens und abends auf der gereinigten Haut von Gesicht, Dekolleté oder Körper, pur oder als einige Tropfen in einer Creme. Für jedes Öl gilt: gut verschlossen, dunkel und nicht zu warm aufbewahren.

Dass Tocopherol hier an achter Stelle steht, verrät wenig über die Menge. Stoffe unter einem Anteil von einem Prozent dürfen in beliebiger Reihenfolge stehen, und ein Oxidationsschutz wird in der Regel nur in kleinen Mengen eingesetzt. Mehr dazu im Beitrag zur 1-%-Regel.

Die Liste zeigt außerdem, dass Tocopherol in Ölmischungen selten allein steht. Neben Pflanzenölen finden sich hier Decyl Cocoate, ein Esteröl, sowie Undecane und Tridecane, zwei Kohlenwasserstoffe. Wie du solche Namen einordnest, steht im Beitrag über Esteröle in der INCI. Am Ende der Liste folgen Duftstoffe wie Limonene und Linalool.

Die Kurzfassung: Tocopherol steht in so vielen Ölen, weil ungesättigte Fettsäuren mit Sauerstoff reagieren – es schützt die Rezeptur, und Tocopheryl Acetate ist trotz gleichen Etiketts „Vitamin E“ ein anderer Stoff.

Quellen

  1. Europäische Kommission, CosIng-Datenbank, Einträge Tocopherol und Tocopheryl Acetate, abgerufen am 30.09.2026.
  2. Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel, Artikel 19 (Angabe der Bestandteile, Haltbarkeit nach dem Öffnen).
  3. Herstellerangaben MÁDARA zu Vitamin Oil (INCI, Füllmenge, Anwendung), madaracosmetics.com, abgerufen am 30.09.2026.

Redaktionelle Prüfung: 01.10.2026, AF – Produktangaben (INCI-Auszüge, Füllmenge, Anwendung) am 30.09.2026 gegen die Produktseite abgeglichen, Fach- und Rechtsangaben gegen die genannten Quellen geprüft, keine Wirkaussagen. Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische oder rechtliche Beratung.