Die meisten Fragen zur Haarwäsche drehen sich um das Shampoo. Dabei passiert ein guter Teil dessen, was Haar im Alltag erlebt, danach: beim Rubbeln mit dem Handtuch, beim Entwirren und beim Föhnen.
Dieser Beitrag bleibt bei den Handgriffen nach dem Ausspülen. Wie du Shampoo selbst aufträgst, steht in einem eigenen Beitrag.
1. Was Wasser mit dem Haar macht
Ein Haar besteht vor allem aus Keratin. Außen liegt die Schuppenschicht, die Kutikula: flache, dachziegelartig übereinanderliegende Zellen. Darunter liegt die Faserschicht, der Cortex.
Im Wasser nimmt das Haar Feuchtigkeit auf und quillt. Nasses Haar lässt sich deutlich stärker dehnen als trockenes, und die Oberfläche reagiert empfindlicher auf Reibung. Genau darum geht es in allen folgenden Schritten: Zug und Reibung klein halten, solange das Haar nass ist.
Wie stark sich das bemerkbar macht, hängt von Länge, Struktur und Vorgeschichte des Haares ab. Lange, lockige oder gefärbte Haare verknoten leichter als kurzes, glattes Haar.
2. Abtrocknen: drücken statt rubbeln
Das Handtuch soll Wasser aufnehmen, nicht das Haar bearbeiten. Kräftiges Rubbeln mit dem Frottee reibt die Längen aneinander und erzeugt Knoten, die du anschließend wieder lösen musst.
- Ausdrücken: Das Wasser zuerst mit den Händen sanft aus den Längen streichen.
- Tupfen: Das Handtuch um eine Haarpartie legen und leicht zusammendrücken, dann die nächste Partie.
- Turban locker: Wer das Haar hochwickelt, dreht es nicht fest ein und lässt den Turban nicht stundenlang auf.
- Glatter Stoff: Ein glattes Baumwolltuch oder ein altes T-Shirt hat weniger Schlingen als Frottee, an denen sich Haare verfangen.
3. Entwirren: von unten nach oben
Für nasses Haar eignet sich ein grobzinkiger Kamm besser als eine dichte Bürste. Beginne an den Spitzen, löse dort die Knoten, und arbeite dich Stück für Stück zum Ansatz hoch. Wer oben anfängt, schiebt alle Knoten nach unten zusammen.
Hilfreich ist, das Haar in Partien zu teilen und jede Partie an der Hand festzuhalten, damit der Zug nicht an der Kopfhaut ankommt. Hakt der Kamm, lieber mit den Fingern nachhelfen als ziehen. Wie du deine Bürste danach sauber hältst, steht im Beitrag zum Reinigen der Haarbürste.
Spülungen enthalten Stoffe, die in der EU-Datenbank CosIng mit der Funktion „haarkonditionierend“ geführt werden – also Stoffe, die das Kämmen erleichtern sollen. Als Beispiel dient hier die MÁDARA Colour and Shine Spülung – „Colour and Shine“ ist dabei Teil des Produktnamens. In ihrer INCI steht laut Herstellerseite (Stand 30.09.2026) Cetearyl Alcohol an Position 2 und Behentrimonium Chloride an Position 5. Laut Hersteller kommt die Spülung in die Spitzen der nassen, frisch gewaschenen Haare, bleibt ein bis drei Minuten und wird dann ausgespült. Was Fettalkohole und -trimonium-Verbindungen sind, erklärt der Beitrag zur Spülung in der INCI-Liste, wie Positionen zu lesen sind, der Beitrag zur 1-%-Regel.
4. Föhnen: Abstand, Bewegung, Stufe
Ob Lufttrocknen oder Föhnen – beides ist möglich. Wichtig ist beim Föhnen weniger das Gerät als der Umgang damit.
- Vortrocknen: Das Haar erst an der Luft oder im Handtuch antrocknen lassen, dann ist die Föhnzeit kürzer.
- Abstand halten: Den Föhn nicht direkt auf das Haar setzen. Eine Laborstudie an Haarsträhnen (Lee et al., 2011) arbeitete mit rund 15 Zentimetern Abstand und ständig bewegtem Föhn.
- Bewegen: Den Luftstrom nicht lange auf eine Stelle richten.
- Stufe wählen: Mittlere Temperatur reicht meist. Die höchste Stufe ist eher für das kurze Formen am Ende gedacht.
- Luftstrom von oben: In Wuchsrichtung föhnen, also vom Ansatz zu den Spitzen.
Bei Hitzewerkzeugen wie Glätteisen gilt dasselbe Prinzip: Haar vorher vollständig trocknen lassen, die Gebrauchsanleitung des Geräts beachten.
5. Nasses Haar zusammenbinden
Nasses Haar ist gedehnt. Ein straffer Zopf oder ein enger Haargummi hält es in diesem Zustand fest und zieht beim Trocknen. Besser ist ein lockerer Knoten oder eine Klammer ohne Metallkanten.
Ähnlich ist es mit dem Kopfkissen: Wer mit nassem Haar schlafen geht, reibt es die ganze Nacht über am Bezug, und das Haar trocknet in der Form, in der es liegt. Wer abends wäscht, lässt die Längen deshalb vor dem Schlafen möglichst trocknen – an der Luft oder mit dem Föhn auf mittlerer Stufe. Ein locker geflochtener Zopf hält lange Haare in der Nacht zusammen, ohne zu ziehen.
Merken
Nasses Haar ist dehnbarer und empfindlicher gegenüber Reibung. Deshalb: tupfen statt rubbeln, grober Kamm von den Spitzen aufwärts, Föhn mit Abstand und in Bewegung, nichts straff zusammenbinden.
Die Kurzfassung: Nicht das nasse Haar ist das Problem, sondern Zug und Reibung, solange es nass ist – wer tupft, von unten entwirrt und mit Abstand föhnt, hält beides klein.
Quellen
- Robbins, C. R.: Chemical and Physical Behavior of Human Hair. 5. Auflage, Springer, 2012.
- Lee, Y. et al.: Hair Shaft Damage from Heat and Drying Time of Hair Dryer. Annals of Dermatology 23 (4), 2011, S. 455–462.
- Europäische Kommission: CosIng-Datenbank, Funktionsangabe „Hair conditioning“, abgerufen am 30.09.2026.
- Herstellerangaben MÁDARA zu Colour and Shine Spülung (INCI, Füllmenge, Anwendung), madaracosmetics.com, abgerufen am 30.09.2026.
Redaktionelle Prüfung: 01.10.2026, AF – Produktangaben (INCI-Auszüge, Füllmenge, Anwendung) am 30.09.2026 gegen die Produktseite abgeglichen, Fach- und Rechtsangaben gegen die genannten Quellen geprüft, keine Wirkaussagen. Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische oder rechtliche Beratung.