Viele verbinden mit dem Wort „Serum“ eine bestimmte Vorstellung: ein kleines Fläschchen, eine dünnflüssige Textur, ein Produkt, das zwischen Reinigung und Creme gehört. Manche erwarten außerdem, dass ein Serum „konzentrierter“ sei als eine Creme.

Diese Vorstellungen sind verbreitet, aber nicht verbindlich. Der Name ist eine Entscheidung des Herstellers. Was ein Produkt tatsächlich ist, zeigt die INCI-Liste.

1. Keine gesetzliche Definition

Die EU-Kosmetikverordnung definiert, was ein kosmetisches Mittel ist. Produktarten wie „Serum“, „Fluid“, „Essenz“ oder „Booster“ definiert sie nicht. Es gibt also keine Mindestanforderung an Textur, Zusammensetzung oder Menge bestimmter Stoffe, die ein Produkt erfüllen muss, um „Serum“ heißen zu dürfen.

Das heißt nicht, dass Hersteller beliebig werben dürfen. Aussagen über kosmetische Mittel müssen die gemeinsamen Kriterien der Verordnung (EU) Nr. 655/2013 erfüllen, etwa Wahrheitstreue, Belegbarkeit und Redlichkeit. Die Produktbezeichnung selbst legt aber keinen bestimmten Inhalt fest.

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„Serum“ beschreibt, wie ein Hersteller sein Produkt einordnet – nicht, woraus es besteht.

2. Drei Formen, ein Name

Im Handel begegnen dir unter dem Namen „Serum“ vor allem drei Grundformen:

FormTypische INCI-Hinweise
WässrigWasser oder Pflanzensaft vorn, Feuchthaltemittel wie Glycerin, oft ein Gelbildner, keine oder kaum Öle
Öligkein Wasser; Pflanzenöle und Ester von Anfang an
EmulsionWasserphase und Öle, dazu ein Emulgator und oft Konsistenzgeber wie Fettalkohole

Die erste Form entspricht am ehesten der verbreiteten Vorstellung. Die dritte ist im Aufbau einer leichten Creme oder Lotion ähnlich; was diese Texturbezeichnungen unterscheidet, erklärt der Beitrag Lotion, Creme, Butter.

3. Was die INCI über die Textur verrät

Ob ein Serum wässrig, ölig oder eine Emulsion ist, erkennst du an wenigen Stellen der INCI-Liste:

  • Steht Aqua oder ein Pflanzensaft vorn? Dann gibt es eine Wasserphase.
  • Tauchen Öle, Butter oder Ester früh auf? Dann gibt es eine Fettphase.
  • Ist ein Emulgator enthalten? Dann sind beide Phasen miteinander verbunden – das Produkt ist eine Emulsion.

Einen Namen wie Cetearyl Alcohol solltest du dabei nicht mit Trinkalkohol verwechseln. Es ist ein Fettalkohol, der in Emulsionen als Konsistenzgeber und Co-Emulgator verwendet wird. Den Unterschied erklärt der Beitrag zu Alcohol in der INCI-Liste.

4. Ein Beispiel: ein Serum als Emulsion

Als Beispiel dient hier das Hydra Intensives Serum von MÁDARA („Hydra Intensives“ ist Teil des Produktnamens, keine Aussage dieses Beitrags). Laut Herstellerseite (Stand 30.09.2026) enthält die INCI unter anderem Aloe-Saft, Glycerin, Sonnenblumenöl, den Emulgator Glyceryl Stearate Citrate und Cetearyl Alcohol. Das Produkt ist also eine Emulsion und kein wässrig-klares Serum.

Die Positionen bestätigen das: Der Emulgator Glyceryl Stearate Citrate steht an Position 4, Cetearyl Alcohol an Position 6. Aqua erscheint erst an Position 10 – die Wasserphase besteht hier vor allem aus Aloe-Saft, der an erster Stelle steht.

Das ist kein Fehler in der Bezeichnung, sondern zeigt, wie weit der Begriff reicht. Wer eine bestimmte Textur sucht, findet die Antwort nicht im Namen, sondern in der Liste. Als Anwendung nennt der Hersteller, das Serum morgens und abends auf die gereinigte Haut aufzutragen und anschließend eine Feuchtigkeitscreme derselben Linie zu verwenden.

5. Vier Fragen vor dem Kauf

Statt dich am Namen zu orientieren, kannst du ein Serum mit vier Fragen einordnen:

  1. Welche Form hat es? Wässrig, ölig oder Emulsion – das zeigt der Anfang der INCI.
  2. Welche Stoffe stehen vorn? Die ersten Positionen stehen für die mengenmäßig größten Bestandteile.
  3. Nennt der Hersteller eine Konzentration? Wenn ja, ist sie eine konkrete Herstellerangabe; wenn nein, bleibt die Reihenfolge der einzige Anhaltspunkt.
  4. Wie soll es angewendet werden? Die Anwendung verrät, ob der Hersteller danach noch eine Creme vorsieht oder nicht.

Mit diesen Fragen vergleichst du Produkte nach ihrem Aufbau und nicht nach ihrem Etikett. Das gilt übrigens genauso für „Fluid“, „Essenz“ oder „Konzentrat“: Auch diese Bezeichnungen sind nicht gesetzlich festgelegt.

6. „Konzentriert“ ist eine Herstellerangabe

Oft wird ein Serum mit „hoher Konzentration“ in Verbindung gebracht. Ob das für ein bestimmtes Produkt stimmt, lässt sich aus dem Namen nicht ablesen. Die INCI nennt keine Prozentwerte, sondern nur die Reihenfolge – und auch die nur für Stoffe über einem Prozent. Darunter dürfen Bestandteile in beliebiger Reihenfolge stehen. Wie du damit umgehst, erklärt der Beitrag zur 1-%-Regel.

Nennt ein Hersteller eine Konzentration, ist das eine Herstellerangabe. Sie ist nachvollziehbarer als das Wort „Serum“ allein, weil sie eine konkrete Zahl enthält.

Die Kurzfassung: „Serum“ ist ein Name, keine Norm – ob es wässrig, ölig oder eine Emulsion ist, zeigt die INCI-Liste.

Quellen

  1. Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel, Art. 2 Abs. 1 lit. a (Begriffsbestimmung), Art. 19 Abs. 1 lit. g (Angabe der Bestandteile).
  2. Verordnung (EU) Nr. 655/2013 zur Festlegung gemeinsamer Kriterien zur Begründung von Werbeaussagen im Zusammenhang mit kosmetischen Mitteln.
  3. Herstellerangaben MÁDARA zu Hydra Intensives Serum (INCI, Füllmenge, Anwendung), madaracosmetics.com, abgerufen am 30.09.2026.

Redaktionelle Prüfung: 01.10.2026, AF – Produktangaben (INCI-Auszüge, Füllmenge, Anwendung) am 30.09.2026 gegen die Produktseite abgeglichen, Fach- und Rechtsangaben gegen die genannten Quellen geprüft, keine Wirkaussagen. Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische oder rechtliche Beratung.