Morgens eine Tagescreme aufzutragen, fühlt sich nach einem vollständigen Pflegeschritt an. Viele gehen deshalb davon aus, dass sie damit auch für den Tag draußen versorgt sind. Eine Aussage zum UV-Schutz trifft ein Produkt nur, wenn auf der Packung ein LSF steht.

Eine Tagescreme ohne LSF ist eine Pflegecreme für den Tag – nicht mehr und nicht weniger. Warum das so ist, zeigen die Regeln für Sonnenschutzmittel und ein Blick in die INCI-Liste.

1. Tagescreme und Sonnenschutz: der Unterschied

„Tagescreme“ ist keine rechtlich definierte Produktart. Der Begriff sagt nur, dass ein Produkt für die Anwendung am Tag gedacht ist, meist mit einer leichteren Textur als eine Nachtcreme.

Ein Sonnenschutzmittel dagegen braucht zwei Dinge: UV-Filter in der Rezeptur und einen geprüften Lichtschutzfaktor, der auf der Packung angegeben ist. Fehlt eines davon, trifft das Produkt keine Aussage zum Schutz vor UV-Strahlung – und du solltest keine hineinlesen.

Umgekehrt gibt es Tagescremes mit LSF. Sie tragen den Lichtschutzfaktor deutlich sichtbar auf der Verpackung und enthalten UV-Filter in der INCI-Liste.

Ob ein Produkt eine Aussage zum UV-Schutz trifft, prüfst du deshalb in zwei Schritten: erst die Vorderseite auf eine LSF-Angabe, dann die INCI-Liste auf UV-Filter. Steht zum Beispiel Titandioxid in der Liste, aber kein LSF auf der Packung, bleibt es bei einer Pflegecreme ohne Schutzaussage.

2. Was ein LSF auf der Packung bedeutet

Für die Kennzeichnung von Sonnenschutzmitteln hat die EU-Kommission 2006 eine Empfehlung veröffentlicht (Empfehlung 2006/647/EG). Sie ordnet die Lichtschutzfaktoren vier Kategorien zu:

KategorieAngegebener LSF
niedrig6, 10
mittel15, 20, 25
hoch30, 50
sehr hoch50+

Außerdem sieht die Empfehlung vor, dass der UVA-Schutz mindestens ein Drittel des angegebenen LSF erreicht und dass ein Sonnenschutzmittel mindestens LSF 6 aufweist. Aussagen wie ein vollständiger Schutz sollen nicht gemacht werden.

Der LSF wird unter Laborbedingungen mit einer festgelegten, recht großen Auftragsmenge bestimmt. Wer deutlich weniger aufträgt, erreicht den angegebenen Wert in der Praxis nicht. Die Empfehlung sieht deshalb auch Hinweise zur ausreichenden Menge und zum erneuten Auftragen vor.

Welche Stoffe als UV-Filter eingesetzt werden dürfen, legt Anhang VI der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 abschließend fest; wie du Titandioxid in der INCI einordnest, steht im Beitrag zu Pigmenten und CI-Nummern.

3. Und Produkte mit LSF im Namen?

Neben reinen Sonnenschutzmitteln gibt es Tagescremes, getönte Cremes und Make-up mit LSF-Angabe. Für sie gilt dieselbe Logik: Der angegebene Wert wurde mit einer festgelegten Auftragsmenge bestimmt.

Bei Tagescreme oder Make-up tragen viele deutlich weniger auf, als bei dieser Prüfung verwendet wird – schon weil die Textur sonst zu schwer wäre. Ob die Menge, die du tatsächlich verwendest, zu der Angabe passt, kannst du am Anwendungshinweis des jeweiligen Produkts abgleichen.

Wer das nicht möchte, trennt die Aufgaben: eine Tagescreme zur Pflege und ein eigenes Sonnenschutzprodukt darüber. Das ist kein Muss, aber übersichtlich.

Verwendest du Säureprodukte, weisen Hersteller oft ausdrücklich auf Sonnenschutz hin. Auch dann ist ein Produkt mit angegebenem LSF gemeint; mehr zu diesen Hinweisen steht unter AHA in der INCI-Liste.

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Kein LSF auf der Packung heißt: keine Aussage zum Sonnenschutz. Sonnenschutz ist ein eigener Schritt – und der letzte in der Pflege am Morgen.

4. Ein Beispiel: Tagescreme ohne LSF-Angabe

Als Beispiel dient hier die Tagescreme (DEEP MOISTURE) von MÁDARA („Deep Moisture“ ist die Produktlinie, keine Aussage dieses Beitrags). Laut Herstellerseite (Stand 30.09.2026) trägt das Produkt keine LSF-Angabe. Die INCI-Liste beginnt mit Aqua, Birkensaft und Dicaprylyl Carbonate; UV-Filter aus Anhang VI sind in der Liste nicht enthalten.

Die Anwendung beschreibt der Hersteller sinngemäß so: täglich auf die gereinigte Haut auftragen. Das Produkt ist damit ein typisches Beispiel für eine Tagespflege, die als Pflegeschritt gedacht ist – und neben der, wenn du Sonnenschutz brauchst, ein eigenes Produkt mit LSF steht.

5. Die Reihenfolge am Morgen

Sonnenschutz kommt als letzter Pflegeschritt am Morgen auf die Haut, nach der Tagescreme; wie die Pflegeschritte grundsätzlich aufeinander aufbauen, beschreibt der Beitrag Abendroutine für trockene Haut.

Wichtig einzuordnen

Wie viel UV-Schutz jemand braucht, hängt von Haut, Ort und Dauer ab. Bei Sonnenbrand, auffälligen Hautveränderungen oder anhaltenden Hautbeschwerden gehört die Frage in ärztliche Hände. Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische Beratung.

Die Kurzfassung: Ohne LSF auf der Packung und ohne UV-Filter in der INCI-Liste ist eine Tagescreme eine Pflegecreme, kein Sonnenschutz – der kommt als eigenes Produkt mit angegebenem LSF zuletzt auf die Haut.

Quellen

  1. Empfehlung der Kommission 2006/647/EG vom 22. September 2006 über die Wirksamkeit von Sonnenschutzmitteln und diesbezügliche Herstellerangaben.
  2. Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel, Art. 14 und Anhang VI (zugelassene UV-Filter).
  3. Herstellerangaben MÁDARA zu Tagescreme (DEEP MOISTURE) (INCI, Füllmenge, Anwendung), madaracosmetics.com, abgerufen am 30.09.2026.

Redaktionelle Prüfung: 01.10.2026, AF – Produktangaben (INCI-Auszüge, Füllmenge, Anwendung) am 30.09.2026 gegen die Produktseite abgeglichen, Fach- und Rechtsangaben gegen die genannten Quellen geprüft, keine Wirkaussagen. Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische oder rechtliche Beratung.