Ein Seifenspender am Waschbecken wird oft über Jahre benutzt, die Seife darin kommt aus großen Nachfüllflaschen oder -beuteln. Das ist praktisch, weil der Spender bleiben kann. Es wirft aber eine Frage auf, die selten gestellt wird: Wann wurde der Spender eigentlich zuletzt gereinigt?

Dieser Beitrag zeigt, worauf es beim Nachfüllen ankommt und warum der Rest im Spender nicht einfach aufgefüllt werden sollte.

1. Warum Aufgießen keine gute Idee ist

Der naheliegende Weg ist, neue Seife auf den Rest im Spender zu gießen. Die US-Gesundheitsbehörde CDC rät in ihrer Leitlinie für Gesundheitseinrichtungen davon ab, Seife in einen teilweise geleerten Spender nachzufüllen. Als Grund nennt sie, dass dieses Aufgießen zu einer bakteriellen Verunreinigung der Seife führen kann.

Eine Untersuchung von Zapka und Kollegen (2011) hat nachfüllbare Seifenspender im Labor und in einer Grundschule untersucht. In verunreinigten Spendern fanden sich Bakterien, die beim Händewaschen auf die Hände übertragen wurden.

Zu Hause ist die Lage eine andere als in einer Schule oder Klinik. Das Prinzip gilt aber auch dort: Alte Reste, Wasser in der Pumpe und ein feuchter Pumpkopf sind keine gute Grundlage für frische Seife.

Wichtig einzuordnen

Bei anhaltenden Hautbeschwerden gehört die Frage in ärztliche Hände. Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische Beratung.

2. Nachfüllen in fünf Schritten

  1. Leer machen: Den Spender vollständig leeren, bevor neue Seife hineinkommt.
  2. Zerlegen: Pumpkopf und Steigrohr abnehmen, soweit das ohne Werkzeug geht.
  3. Reinigen: Behälter mit heißem Wasser ausspülen. Die Pumpe reinigst du, indem du mehrmals heißes Wasser durchpumpst, bis nur noch klares Wasser herauskommt.
  4. Vollständig trocknen: Alle Teile offen und kopfüber trocknen lassen. Restwasser verdünnt die neue Seife am Boden.
  5. Befüllen: Seife aus der Nachfüllpackung einfüllen, dabei die Öffnung der Nachfüllpackung nicht mit den Fingern berühren und sie danach wieder verschließen.

Wie oft? Spätestens bei jedem Nachfüllen. Zwischendurch lohnt ein Blick auf den Pumpkopf: Eingetrocknete Seifenreste an der Austrittsöffnung und ein schmieriger Rand am Boden des Spenders lassen sich mit einem feuchten Tuch entfernen. Zeigen sich im Behälter Schlieren, Verfärbungen oder ein ungewohnter Geruch, wird der Inhalt entsorgt und der Spender gründlich gereinigt.

Praktisch ist es, zwei Spender im Wechsel zu verwenden: Während einer trocknet, ist der andere im Einsatz. So musst du das Trocknen nicht abkürzen, nur weil am Waschbecken gerade keine Seife steht. Ein Spender aus Glas lässt sich dabei leichter heiß ausspülen und zeigt Rückstände besser als einer aus undurchsichtigem Material.

3. Nicht mit Wasser verdünnen

Manche strecken Flüssigseife mit Wasser, damit sie länger reicht oder besser schäumt. Davon ist abzuraten. Jedes kosmetische Mittel braucht nach der EU-Kosmetikverordnung (VO (EG) Nr. 1223/2009) eine Sicherheitsbewertung, und zu deren Bestandteilen gehört nach Anhang I auch die mikrobiologische Qualität. Diese Bewertung bezieht sich auf die Rezeptur, wie sie verkauft wird. Mit Wasser verdünnt, ist es eine andere Mischung.

Dasselbe gilt für die Nachfüllpackung: Den letzten Rest nicht mit Wasser ausspülen und in den Spender kippen. Und eine Seife gehört nur dann in einen Schaumspender, wenn der Hersteller sie dafür vorsieht – Schaumspender arbeiten oft mit dünnflüssigeren Rezepturen.

4. Ein Beispiel für eine Nachfüllflasche

Als Beispiel dient hier die Sonett Flüssigseife „Calendula“ als Nachfüllung in der 1-Liter-Flasche, die memo als Händler anbietet. Laut Produktseite bei memo (Stand 30.09.2026) stehen in der deutschen Bestandteilliste an erster Stelle Seife aus Bio-Olivenöl und Seife aus Bio-Kokosöl, danach folgen Zuckertensid, Alkohol, Bio-Glycerin und Calendula-Essenz. Die INCI beginnt mit Aqua und Potassium Olivate.

Potassium Olivate ist das Kaliumsalz der Fettsäuren aus Olivenöl – eine Kaliseife. Kaliseifen sind weicher als Natronseifen, deshalb sind flüssige Seifen meist Kaliseifen. Was Seife vom Syndet unterscheidet, steht im Beitrag pH-hautneutral, was Glycerin in der INCI ist, im Beitrag zu Glycerin in der INCI-Liste.

Ein Beispiel in der Nachfüllflasche

Sonett Flüssigseife „Calendula“, Nachfüllung, 1 l, erhältlich bei memo. Sie zeigt eine Flüssigseife auf Basis von Kaliseife aus Olivenöl, die in einer großen Nachfüllflasche angeboten wird. Stand der Produktseite bei memo 30.09.2026. Vollständige Angaben, aktueller Preis und Grundpreis auf der Produktseite.

WerbungProduktseite ansehen (öffnet in einem neuen Tab)

5. Angaben behalten

Ein Nachfüllspender hat oft kein eigenes Etikett. Die Angaben der Seife stehen auf der Nachfüllpackung – darunter die Bestandteile und die Chargennummer, die nach Art. 19 der Kosmetikverordnung angegeben werden muss. Bewahre die Packung deshalb auf, bis sie leer ist. Wer mehrere Seifen im Wechsel nutzt, klebt einen kleinen Zettel mit Produktnamen an den Spender.

Wie lange ein geöffnetes Produkt verwendet werden kann, zeigt das Tiegelsymbol auf der Nachfüllpackung. Mehr dazu im Beitrag zur Haltbarkeit nach dem Öffnen.

Merken

Nicht aufgießen: erst leeren, dann Behälter und Pumpe heiß ausspülen und vollständig trocknen lassen, dann befüllen. Seife nicht verdünnen, Nachfüllpackung mit den Angaben aufheben.

Die Kurzfassung: Beim Nachfüllen zählt die Reihenfolge, Aufgießen spart nur einen Arbeitsschritt – ein geleerter, gereinigter und trockener Spender ist die bessere Grundlage für frische Seife.

Quellen

  1. Centers for Disease Control and Prevention (CDC): Guideline for Hand Hygiene in Health-Care Settings. MMWR 51 (RR-16), 2002.
  2. Zapka, C. A. et al.: Bacterial Hand Contamination and Transfer after Use of Contaminated Bulk-Soap-Refillable Dispensers. Applied and Environmental Microbiology 77 (9), 2011, S. 2898–2904.
  3. Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel, Art. 10, Art. 19 und Anhang I.
  4. Produktangaben memo zu Sonett Flüssigseife „Calendula“, Nachfüllung (Bestandteile, INCI-Beginn, Füllmenge), memo.de, abgerufen am 30.09.2026.

Redaktionelle Prüfung: 01.10.2026, AF – Produktangaben (INCI-Auszüge, Füllmenge, Anwendung) am 30.09.2026 gegen die Produktseite abgeglichen, Fach- und Rechtsangaben gegen die genannten Quellen geprüft, keine Wirkaussagen. Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische oder rechtliche Beratung.