Im Bad stehen oft drei Flaschen, die auf den ersten Blick dasselbe tun: schäumen und abgespült werden. Die Frage liegt nahe, ob eine nicht reichen würde.

Dieser Beitrag erklärt, warum Hersteller Reinigungsprodukte nach Körperstelle trennen, was die Angabe des Verwendungszwecks auf der Packung bedeutet und was du daraus für den Alltag ableiten kannst. Um pH-Werte und Tensidklassen geht es hier nur am Rand – dafür gibt es eigene Beiträge.

1. Der Verwendungszweck steht auf der Packung

Die EU-Kosmetikverordnung (VO (EG) Nr. 1223/2009) verlangt in Art. 19 unter anderem die Angabe des Verwendungszwecks, sofern er sich nicht aus der Aufmachung ergibt. „Shampoo“, „Duschgel“ oder „Gesichtsreinigung“ sind also nicht nur Namen, sondern beschreiben, wofür das Produkt bestimmt ist.

Nach Art. 3 muss ein kosmetisches Mittel bei normaler oder vernünftigerweise vorhersehbarer Verwendung sicher sein. Was „normale Verwendung“ ist, ergibt sich vor allem aus dieser Bestimmung, aus Aufmachung und Gebrauchsanweisung (Art. 3 VO 1223/2009) – also etwa, ob das Produkt für Kopfhaut und Haar, den Körper oder das Gesicht gedacht ist.

2. Die Sicherheitsbewertung hängt am Anwendungsbereich

Jedes kosmetische Mittel braucht nach Art. 10 eine Sicherheitsbewertung. Anhang I der Verordnung legt fest, was dazugehört, unter anderem die Exposition: an welcher Stelle das Produkt aufgetragen wird, auf welcher Fläche, in welcher Menge, wie lange und wie oft.

Diese Größen unterscheiden sich je nach Produkt deutlich:

  • Duschgel: große Hautfläche, kurze Kontaktzeit, wird abgespült.
  • Shampoo: Kopfhaut und Haar, kurze Kontaktzeit, wird abgespült – mit der Möglichkeit, dass Schaum in die Augen läuft.
  • Gesichtsreiniger: kleine Fläche, dafür Nähe zu Augen und Mund.

Der wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit der EU (SCCS) nennt in seinen Leitlinien für die Sicherheitsbewertung für viele Produktarten, darunter Duschgel und Shampoo, jeweils eigene Annahmen zu Menge und Häufigkeit der Anwendung. Die Produktgruppen werden also schon in der Bewertung getrennt behandelt.

Eine Rezeptur wird damit für ein bestimmtes Szenario bewertet. Warum abgespülte Produkte anders betrachtet werden als solche, die auf der Haut bleiben, erklärt der Beitrag Leave-on und Rinse-off.

3. Was sich in der Rezeptur unterscheidet

Die Grundidee ist bei allen drei gleich: Tenside lösen Fett und Schmutz, damit Wasser sie abspülen kann. Welche Tensidklassen es gibt und woran du sie in der INCI erkennst, steht im Beitrag zu Tensiden in der INCI-Liste.

Die Unterschiede liegen oft im Rest der Rezeptur. Shampoos enthalten häufig haarkonditionierende Stoffe, die auf das Haar ausgelegt sind. Gesichtsreiniger kommen oft mit weniger Duft aus und sind auf das Gesicht mit seiner Nähe zu Augen und Mund abgestimmt. Duschgele sind für die großzügige Anwendung am ganzen Körper gemacht, oft mit deutlicherem Duft. Das sind Tendenzen, keine festen Regeln – die INCI des einzelnen Produkts ist maßgeblich.

Auch der Duft spielt rechtlich eine Rolle: Bestimmte Duftstoffe müssen in abgespülten Produkten erst ab einer höheren Konzentration namentlich angegeben werden als in Produkten, die auf der Haut bleiben. Mehr dazu im Beitrag Mit oder ohne Duft.

4. Ein Beispiel für ein Waschgel

Als Beispiel dient hier das MÁDARA Wild Woods Feuchtigkeitsspendendes Waschgel – „Feuchtigkeitsspendend“ ist dabei Teil des Produktnamens. Laut Herstellerseite (Stand 30.09.2026) wird es auf die feuchte Haut aufgetragen und gründlich abgespült.

In der INCI steht Aloe Barbadensis Leaf Juice an Position 1, Aqua erst an Position 9. Warum das möglich ist, erklärt der Beitrag zu Aloe Vera an Position 1. Auf den Positionen 2 bis 4 folgen mit Sodium coco sulphate, Sodium Cocamphoacetate und Cocamidopropyl Betaine drei Tenside. Weiter hinten stehen mehrere Duftstoffbestandteile wie Limonene, Linalool und Eugenol.

5. Was das für den Alltag heißt

Ein Produkt außerhalb seiner Bestimmung zu verwenden, ist nicht verboten. Die Rezeptur und ihre Bewertung orientieren sich aber am angegebenen Zweck. Deshalb lohnt sich ein Blick auf die Packung:

  • Bestimmung lesen: Steht dort Körper, Haar, Gesicht – oder mehreres? Produkte für mehrere Bereiche sind für genau diese Kombination ausgelegt.
  • Gesicht und Augenregion: Hier ist die Bestimmung besonders wichtig, weil die Fläche nah an den Augen liegt.
  • Kombiprodukte: Für Reisen oder Sport gibt es Produkte, deren Bestimmung Haar und Körper ausdrücklich umfasst. Sie sind für beide Bereiche bewertet – das ist etwas anderes, als ein Duschgel zum Haarewaschen zu nehmen.
  • Anwendungshinweis beachten: „Gründlich abspülen“ gehört zur vorgesehenen Verwendung.

Merken

Duschgel, Shampoo und Gesichtsreiniger arbeiten mit ähnlichen Prinzipien, werden aber für unterschiedliche Körperstellen, Flächen und Kontaktzeiten bewertet. Der Verwendungszweck auf der Packung sagt dir, für welches Szenario das Produkt gedacht ist.

Die Kurzfassung: Duschgel, Shampoo und Gesichtsreiniger unterscheiden sich weniger im Prinzip als im Einsatzort – und der Verwendungszweck auf der Packung zeigt, für welchen er bewertet wurde.

Quellen

  1. Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel, Art. 3, Art. 10, Art. 19 und Anhang I.
  2. SCCS: The SCCS Notes of Guidance for the Testing of Cosmetic Ingredients and their Safety Evaluation (aktuelle Revision).
  3. Herstellerangaben MÁDARA zu Wild Woods Feuchtigkeitsspendendes Waschgel (INCI, Füllmenge, Anwendung), madaracosmetics.com, abgerufen am 30.09.2026.

Redaktionelle Prüfung: 01.10.2026, AF – Produktangaben (INCI-Auszüge, Füllmenge, Anwendung) am 30.09.2026 gegen die Produktseite abgeglichen, Fach- und Rechtsangaben gegen die genannten Quellen geprüft, keine Wirkaussagen. Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische oder rechtliche Beratung.