Tonerde ist einer der ältesten Rohstoffe in der Kosmetik. Heute findest du sie vor allem in Masken, aber auch in Reinigungsprodukten, Pudern und Deos. Auf der Verpackung stehen oft Farbnamen oder Herkunftsangaben.
In der INCI-Liste dagegen stehen mineralogische Namen. Wer sie kennt, sieht schnell, welche Minerale enthalten sind, an welcher Stelle sie stehen und woher die Farbe eines Produkts kommt.
1. Was Tonerde ist
Tonerden bestehen überwiegend aus Tonmineralen. Das sind Schichtsilikate: Minerale aus Silicium, Sauerstoff und Metallen wie Aluminium, Magnesium oder Eisen, die in dünnen, übereinanderliegenden Schichten aufgebaut sind. Die Teilchen sind sehr fein, weshalb Tonerde als weiches Pulver vorliegt.
Welche Minerale eine Tonerde enthält, hängt von der Lagerstätte ab. Daraus ergeben sich Unterschiede in Farbe, Struktur und Verhalten mit Wasser. Manche Tonminerale quellen deutlich, wenn sie Wasser aufnehmen, andere kaum.
Im Handel gibt es Tonerde in zwei Formen: als reines Pulver, das du selbst mit Wasser anrührst, und als fertige, cremige Maske. Das Pulver enthält kein Wasser; die fertige Maske dagegen schon, weshalb sie meist weitere Bestandteile wie Feuchthaltemittel, Öle und eine Konservierung enthält. In der INCI-Liste einer fertigen Maske steht deshalb selten nur Tonerde.
Auch Wörter wie „Schlamm“ oder „Mud“ im Produktnamen sind keine INCI-Angaben. Was so bezeichnet wird, besteht in der Liste meist aus Tonerde, Wasser oder Pflanzensaft und weiteren Bestandteilen. Maßgeblich ist der Name in der Liste.
2. Die Namen in der INCI-Liste
Die wichtigsten Tonerden und verwandten Mineralpulver erkennst du an diesen INCI-Namen:
| INCI-Name | Was dahintersteckt |
|---|---|
| Kaolin | Tonerde, deren Hauptmineral Kaolinit ist; meist hell bis weiß |
| Montmorillonite | Tonmineral, das beim Kontakt mit Wasser quillt |
| Bentonite | Gestein, das überwiegend aus Montmorillonit besteht |
| Illite | Tonmineral, häufig in grünlichen Tonerden |
| Diatomaceous Earth | Kieselgur: Schalen fossiler Kieselalgen, keine Tonerde im engeren Sinn |
Farbnamen wie „grüne Tonerde“ oder „rote Tonerde“ sind keine INCI-Namen. Ob die Farbe aus dem Mineral selbst stammt oder zugesetzt wurde, zeigt ein Blick in den hinteren Teil der Liste.
Farbstoffe stehen dort mit einer CI-Nummer; was diese Nummern bedeuten und wie sie geregelt sind, erklärt der Beitrag zu Pigmenten und CI-Nummern.
3. Ein Beispiel: drei Mineralpulver in einer Maske
Als Beispiel dient hier die Ultrareinigende Schlammmaske von MÁDARA („Ultrareinigend“ ist Teil des Produktnamens, keine Aussage dieses Beitrags). Laut Herstellerseite (Stand 30.09.2026) steht in der INCI-Liste nach Aloe Barbadensis Leaf Juice an Position 2 Kaolin, gefolgt von Glycerin. An Position 4 steht Montmorillonite, an Position 5 Diatomaceous Earth. Weiter hinten folgen Charcoal Powder, also pulverisierte Kohle, und die Farbstoffe CI 77491, CI 77492, CI 77499 (Eisenoxide) und CI 75815, ein weiterer Farbstoff.
Die Liste zeigt damit gut, wie mehrere Mineralpulver kombiniert werden und dass die Farbe nicht allein aus den Tonerden kommt. Warum Aloe-Saft an erster Stelle stehen kann, erklärt der Beitrag Aloe Vera an Position 1.
Die Anwendung beschreibt der Hersteller sinngemäß so: auf das gereinigte Gesicht und den Hals auftragen, nach 5 bis 10 Minuten abspülen. Der Hersteller weist außerdem darauf hin, dass das Produkt vorübergehend Rötungen und Kribbeln verursachen kann und nicht für empfindliche Haut geeignet ist.
4. Tonerde-Masken anwenden
Der Hersteller nennt für die Maske im Beispiel eine Einwirkzeit von 5 bis 10 Minuten; danach wird sie abgespült. Hinweise wie mögliche Rötungen oder keine Eignung für empfindliche Haut gehören zur Anwendungsempfehlung. Warum Masken unterschiedlich lange einwirken und wann abgespült wird, erklärt der Beitrag Gesichtsmasken: abspülen, abnehmen oder über Nacht?
Für das Lesen einer Maskenliste hilft eine feste Reihenfolge: Zuerst prüfst du, welche Mineralpulver unter den ersten Positionen stehen. Dann siehst du im hinteren Teil nach, ob Farbstoffe enthalten sind. Zuletzt liest du den Anwendungshinweis mit Einwirkzeit und Warnhinweisen. So weißt du, woraus die Grundlage besteht, woher die Farbe kommt und wie das Produkt gedacht ist.
Beim Anrühren von reinem Tonerdepulver gilt: nur so viel mischen, wie du für eine Anwendung brauchst, und saubere Gefäße und Spatel verwenden. Eine angerührte Paste enthält Wasser und ist nicht zum Aufbewahren gedacht.
Wichtig einzuordnen
Bei anhaltenden Hautbeschwerden gehört die Frage in ärztliche Hände. Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische Beratung.
Die Kurzfassung: Tonerden heißen in der INCI-Liste Kaolin, Montmorillonite, Bentonite oder Illite, die Farbe steht oft als CI-Nummer im hinteren Teil – und Einwirkzeit sowie Warnhinweise auf der Packung gehören zur Anwendung.
Quellen
- Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel, Art. 14 und Anhang IV (Farbstoffe) sowie Art. 19 (Liste der Bestandteile).
- Europäische Kommission, CosIng-Datenbank, Einträge zu Kaolin, Montmorillonite, Diatomaceous Earth sowie CI 77491, CI 77492, CI 77499 und CI 75815.
- Herstellerangaben MÁDARA zu Ultrareinigende Schlammmaske (INCI, Füllmenge, Anwendung, Hinweise), madaracosmetics.com, abgerufen am 30.09.2026.
Redaktionelle Prüfung: 01.10.2026, AF – Produktangaben (INCI-Auszüge, Füllmenge, Anwendung) am 30.09.2026 gegen die Produktseite abgeglichen, Fach- und Rechtsangaben gegen die genannten Quellen geprüft, keine Wirkaussagen. Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische oder rechtliche Beratung.